Dauerbrenner Anlasswidmung am Heumarkt: “Was geschieht mit den 600 Stellungnahmen aus der Bevölkerung?”

Für 1.Juni 2017 ist die Beschlussfassung des Gemeinderats zu der umstrittenen Umwidmung des Heumarktareals (PD 7984) angesetzt. Es handelt sich um eine von einem Investor gewünschte Anlasswidmung, der neue Entwurf des Plandokuments ist genau auf die Kubaturwünsche des Bauwerbers zugeschnitten. Wie von der Wiener Bauordnung vorgesehen, kann sich die Wiener Bevölkerung während der gesetzlich vorgesehen Auflagefrist mit Stellungnahmen dazu äußern. Laut MA 21 haben das etwa 600 Leute getan. Einige der Stellungnahmen stammen von anerkannten Fachleuten, zB aus dem Bereich Architektur, und wurden auch öffentlich gemacht. Die laut Wiener Bauordnung erforderlichen Kriterien für eine Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans seien überhaupt nicht erfüllt, führt etwa Andreas Vass, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) in einer umfangreichen, seriösen Stellungnahme aus. Das immer hochgelobte “kooperative Verfahren” hätten bereits in der ersten Phase die Mehrzahl der beteiligten Fachleute verlassen (so Otto Kapfinger), als klar war, dass die Kubaturvorstellungen des Investors das einzig unveränderbare Kriterium der Diskussion sein sollte. Schon damals (2013) hätte man das Verfahren abbrechen müssen, meint zB auch Christian Kühn, damals Teilnehmer des Verfahrens. Sich jetzt (Maria Vassilakou) darauf zu berufen, dass ja alles fertig sei, und man das Projekt ja jetzt nicht mehr stoppen könne, ist daher absurd, über die berechtigten fachlichen Einwände weiß die Politik seit Jahren Bescheid. Da anzunehmen ist, dass die derzeit von der MA 21 “aufgearbeiteten” Stellungnahmen aus der Bevölkerung (so Planungsdirektor Madreiter im Profil, 14.April 2017) nicht nur hymnische Befürwortungen des Projekts enthalten werden, wird man ja bald sehen, wie diese in die Beschlussfassung des Gemeinderats einfließen werden – oder ob sie, wie meist, einfach ignoriert werden. (JK)


“Was der Osterhase unseren Projektentwicklern bringt”

In der online Version der ”Presse” vom 20.Dezember 2016 gab es unter Leben/Lebensstil/Kolumne zum Tag einen erfrischenden Beitrag von Wolfgang Freitag mit dem Titel: “Was das Christkind unseren Projektentwicklern bringt”. Da dieser Text nichts an Aktualität eingebüßt hat, soll hier “österlich” daran erinnert werden. Angesichts der immer heftiger werdenden Diskussion um das “Besondere Projekt” am Eislaufverein, das mit “marianischem Segen” durchgepeitscht werden soll, wird hier ein “Leitfaden für Projektentwickler” präsentiert, der diese “gegen alle Widernisse” wappnen soll. Wichtig sei es vor allem, heißt es hier, Baubehörden, Fachbeiräte, politische Verantwortungsträger zu vergessen, einzig von Bedeutung sind beste Kontakte zur Boulevardmedienszene, um das Projekt gegen Anwürfe aller Art abzusichern. Bebauungspläne und Flächenwidmung seien für Kleinhäusler und Schrebergärtner da, aber nicht für “Projektentwickler”. Und vor allem: “Think big”. Machen Sie Pläne für einen 400m Turm und wenn es dann Proteste gibt, bescheiden Sie sich generös mit 350m. Wenn gar nichts hilft, stellen Sie ein Stück Kubatur in den Dienst der Gemeinnützigkeit, zwacken Sie zwei Quadratmeter Hinterhof für ein bissl Grün oder drei Quadratmeter im fünften Untergeschoß für einen Kindergarten ab und schon wird man Sie nicht als miesen Profiteur sondern als Wohltäter wahrnehmen. Vergleiche mit laufenden Verfahren sind unbeabsichtigt. (JK)


“Stadtgeflüster – laut gedacht” hochkarätig besetzte, spannende Podiumsdiskussion zum Heumarktprojekt

Die Fachschaft Architektur der Wiener TU lud am 4.April 2017 zu diesem heißen Thema zu einer Podiumsdiskussion, um den Studenten und Studentinnen eine “Information aus erster Hand” zu bieten. Das Interesse war enorm, der Hörsaal war bis zum letzten Stehplatz gefüllt.

Moderiert von Albert Kirchengast, ETH Zürich, diskutierten Nott Caviezel, Denkmalpflege, Christian Kühn, Studiendekan für Architektur, TU Wien, Christoph Luchsinger, TU Wien, Erich Raith, TU Wien und Andreas Vass, Österreichische Gesellschaft für Architektur. Christian Kühn, auch mit zahlreichen kritischen Beiträgen zum Thema Stadtplanung in der “Presse” bekannt, bezeichnete sich nicht als Gegner sondern als Kritiker des viel zu hohen und zu voluminösen Projekts, man habe verabsäumt 2013 die “Reißleine” zu ziehen, als klar war, dass aus den Vorgaben kein gutes Ergebnis zu erzielen wäre. “Auch wenn viele Köche beteiligt gewesen seien und dann eine versalzene Suppe rauskomme, müsste man sie eben wegschütten”. Die Stadt habe sich vom Investor treiben lassen. Christoph Luchsinger sieht das naturgemäße anders, er war Verfasser des neuen Hochhauskonzepts und Moderator für Stadt und Investor in der 2016 verordneten Nachdenkphase. Obwohl er keine Bewertung des Projekts wegen Befangenheit vornehmen wollte, verteidigte er die wenig konkreten Vorgaben des Masterplan Glacis und des Hochhauskonzepts. Im Gegensatz dazu forderte Andreas Vass solche Vorgaben ein, es müsse Normen geben, man könne nicht alles mit ”Aushandlungsprozessen” lösen. Viel Diskussion gab es auch um den nun doch geplanten Abriss des Hotel Intercont. Die einmalige Chance, nun diese aus der Zeit verständliche “Fehlplanung” zu korrigieren, werde vertan, indem man das Hotel nun größer und klobiger in der selben Art nachbauen wolle. “Wien mache sich damit zum Vollidioten”, so Kühn. Otto Kapfinger meldete sich aus dem Publikum zu Wort, der Investor habe immer gewusst, was er dort wolle. Dass das Hotel nicht zu sanieren wäre, hätte jeder gewusst, der sich die Bausubstanz näher angeschaut hätte. Trotzdem hätte man das Weinfeld Projekt zum Sieger erklärt. (JK)


Komet – Revision angenommen

Die vom Komet RA eingebrachte außerordentliche Revision wurde vom VwGh angenommen. Der VwGh fordert die MA37 und die HPD-Holding auf, binnen 6 Wochen eine Revisionsbeantwortung einzubringen und ggf. binnen 3 Wochen eine Stellungnahme zur Zuerkennung einer aufschiebenden Wirkung. Die Zuerkennung einer aufschiebenden Wirkung könnte das Baubewilligungsverfahren aus 2016, bzw. die Betriebsanlagengenehmigung unterbrechen. Die Annahme der Revision ist nicht als Hinweis auf die Entscheidung des VwGh zur Sache an sich zu sehen, aber ein Erfolg.
GC


Otto Wagner Spital am Steinhof als Regiekonzept für Richard Wagners Parsifal an der Wiener Staatsoper

Fasziniert von der Spitalsanlage am Steinhof verlegte der lettische Regisseur Alvis Hermanis die Handlung der neuen Parsifal Inszenierung der Wiener Staatsoper in die Zeit um 1900 als Wien ein besonderes Zentrum für Kunst und Wissenschaft war. Wien war damals das, was “Silicon Valley für das 21.Jahrhundert ist” so der Regisseur im Gespräch für das Programmheft.

Umso bedauerlicher ist es, dass die Wiener Stadtregierung die Bedeutung dieses weltberühmten Kulturerbes noch immer nicht erkennt und die Erhaltung dieser einmaligen Jugendstilanlage derart vernachlässigt. (JK)


OTS0116 vom 14.3.2017: AUFRUF: STOPP DES WIDMUNGSVERFAHRENS AM HEUMARKT

In einem offenen Brief wendet sich die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA)  an BM Häupl, VBin Vassilakou, Minister Drozda und Bundespräsident van der Bellen. “Seit vier Jahren argumentiere die kritische Fachöffentlichkeit Wiens in nie dagewesener Breite in detaillierten Analysen und öffentlichen Stellungnahmen, warum die von der Wertinvest-Gruppe vorgeschlagene Projektentwicklung am Wiener Heumarkt im Widerspruch zu den Grundsätzen einer sozial und stadträumlich nachhaltigen Planungspolitik stehe. Die Genehmigung der auf diesem Projekt aufbauenden Umwidmung wäre nicht nur ein verfehltes Signal im Sinne neoliberaler Anlasswidmung sondern darüber hinaus eine inakzeptable Weichenstellung Richtung Ausverkauf des Stadtzentrums (..) an die Immobilienwirtschaft.” Ein sofortiger Stopp des Umwidmungsverfahrens und ein Neustart mit Revision des Projekts unter Einhaltung der Auflagen der UNESCO wird gefordert. Der Aufruf ist von einer langen Liste namhafter Kunstschaffender Österreichs und maßgeblicher Vereine, wie Architekturstiftung Österreich, DOCOMOMO Austria, ICOMOS AUSTRIA, Österr. Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege ua. unterzeichnet, man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass er doch noch von den politischen Entscheidungsträgern gehört wird. (JK)


Heumarkt Projekt findet auch in internationalen Medien Beachtung: FAZ (4.2.2017) “Selbstzerstörung einer Kulturstadt”

Nicht nur die österreichischen Medien berichten über das geplante Monsterbauprojekt neben dem Wiener Konzerthaus. “Wien will sich mit einem Hochhausprojekt ´zukunftsfit´ machen und gibt dafür sein Weltkulturerbe preis” lautet der Untertitel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4.Februar 2017. Das Projekt würde als “offensive Stadtreparatur” verniedlicht, wobei man die Erklärung schuldig bliebe, welche sanierenden oder aufwertenden Effekte von Großprojekten im historischen Kontext ausgingen. Es wurde ein zweistufiger Architekturwettbewerb abgehalten, der – wenig überraschend – keinerlei Rücksichtnahme auf das Weltkulturerbe verlangte. Die am Projekt beteiligten Architekten und Planer, der Investor oder auch Wiens Tourismusdirektor betonen nun schon vorsorglich, dass die Stadt Wien das Weltkulturerbe gar nicht brauche – ja geradezu ein Hemmschuh von ihr abfallen würde. Diese frohlockende Feststellung könne man nur als Drohung verstehen. (FAZ, 4.Februar 2017, S 11. Autor: Reinhard Seiss)


Entscheidung über Hochhausprojekt am Heumarkt tritt in die heiße Phase: Wird der Investor die von ihm gewünschte Umwidmung im Gemeinderat durchsetzen können?

Gegner und Befürworter dieses riesigen Spekulationsprojekts im der Kernzone des Weltkulturerbes “Wien Innere Stadt” machen derzeit mobil. In einer Bürgerversammlung am 2o.Februar 2017 ernteten die Projektbetreiber, die wie immer versuchten mit lieblichen Renderings das “besondere Projekt ” schönzureden, heftigen Protest von den etwa 300 erschienenen Bürgern und Bürgerinnen. Künstler aus allen politischen Parteien rufen inzwischen zum Protest auf, mehrere neue Petitionen wurden gestartet, um diesen riesigen Baublock auf dem Eislaufverein Gelände zu verhindern. Continue reading


ZIVILTECHNIKERINNEN stellen Denkmäler in ein neues Licht und gestalten die Zukunft

Begleitet von einer sehenswerten Wanderausstellung fand im Palais Epstein am 16.Februar 2017 eine interessante Podiumsdiskussion zum Thema “Denkmalschutz weltoffen und progressiv” statt. Unter der sachkundigen Moderation von Gabu Heindl kamen Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamts, Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO Kommission und eine Reihe von jungen Architektinnen und Architekten zu Wort. Einhellig wurde betont, dass “dem Bauen im Bestand” in Zukunft viel mehr Bedeutung beigemessen werden sollte. Continue reading


Was haben Steinhof, der Heumarkt, der Karlsplatz und Donaufeld gemeinsam?

Was dort an Umwidmungen und Planungen abläuft, wird alles “unter der Tuchent” ausgemacht, man redet zwar immer von der Einbindung der Bevölkerung, diese ist aber nur eine Farce. “Man tut nur so” als ob man den Wienern und Wienerinnen zuhört. Längst ist im Vorfeld alles ohne jegliche Transparenz gelaufen. Die Baumfällungen in Steinhof sind da nur ein krasses Beispiel, man spricht jetzt vom endlich erfolgten “Baustart für leistbare Wohnungen” (OTS0105), man hätte sich eben FÜR die künftigen Bewohner entschieden. Wen interessiert Denkmalschutz, Ensembleschutz, ICOMOS, lauter “Gestrige” kommen immer mit solchen Argumenten. Continue reading


Bäume am Steinhof müssen für Wohnbau weichen

Rodung am SteinhofIn tiefer Trauer geben wir die Rodung der Bäume am Steinhof bekannt. Das ist ein harter Schlag gegen das Kultur- und Naturerbe Wiens und auch gegen die partizipative Demokratie, aber wir werden uns mit ganzer Kraft für die Wiederherstellung all dieser Qualitäten unserer Stadt einsetzen! Continue reading


Valentinsgruß von der Hohen Warte

Lasst uns dem Garten die Ehre geben, die ihm gebührt.

                                                Plinius                                                                                                                                          Continue reading

Änderung des Flächenwidmungsplans für das Hochhausprojekt Heumarkt/Eislaufverein

Die öffentliche Auflage für die Änderung des Flächenwidmungsplans am Heumarkt hat begonnen. Den Wünschen des Investors zur Errichtung eines Hochhausprojekts an diesem umstrittenen Platz im Zentrum des Weltkulturerbes “Wien Innere Stadt” wurde darin zur Gänze Rechnung getragen. Sollte die Umwidmung im Gemeinderat tatsächlich beschlossen werden, wäre dies ein Präzedenzfall zur Errichtung weiterer Hochhäuser im Ringstraßenbereich. Damit provoziert die Wiener Stadtregierung den Verlust des von der UNESCO verliehenen Welterbestatus für Wien. Continue reading


Baumfällungen im Otto Wagner Spital sollen nächste Woche beginnen!

Dass die GESIBA  die Baubewilligung für die ersten vier Wohntürme rund um die Pathologie bereits erhalten hat, ist noch durchgesickert. In der Wiener Energiewoche die dafür geplanten Baumfällungen im Osten des Spitalsareals still und heimlich durchzuführen, ist besonders perfide. Da kann es möglichst unauffällig von statten gehen und wenn die Menschen nach den Semesterferien zurückkommen, ist schon alles vorbei….(Mitteilung Initiative Steinhof)


Heumarktprojekt: Otto Kapfinger gibt VB Vassilakou das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien zurück!

Der in Wien tätige Architekt und Architekturkritiker Otto Kapfinger zog aus Protest gegen die gefügige Politik die Konsequenz: Er schickte das von VB Vassilakou 2015 erhaltene silberne Ehrenzeichen zurück. Respekt! meint Thomas Trenkler im heutigen (30.Jänner 2017) Kurier auf Seite 24. “Das Beharren auf die “schöne Aussicht” – nichts anderes heißt “Belvedere” – und das Pochen auf den Weltkulturerbestatus seien zudem nur Akte der Verzweiflung gegen eine Politik, die ihre Grundsätze verraten hätte”. (aufgeschnappt JK)

Die von der Landstraßer Bezirks FPÖ erzwungene Bürgerversammlung nach § 104c der Wiener Stadtverfassung zum Thema Heumarkt findet übrigens nicht im Festsaal der Landstraßer Bezirksvertretung, sondern im Hotel Intercont am Montag, 20.02.2017 um 18:30 statt. Die öffentliche Auflage zur Änderung des derzeitigen Flächenwidmungsplans 7158 beginnt am 2.Februar 2017 (Entwurf 7984).