OTS0116 vom 14.3.2017: AUFRUF: STOPP DES WIDMUNGSVERFAHRENS AM HEUMARKT

In einem offenen Brief wendet sich die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA)  an BM Häupl, VBin Vassilakou, Minister Drozda und Bundespräsident van der Bellen. “Seit vier Jahren argumentiere die kritische Fachöffentlichkeit Wiens in nie dagewesener Breite in detaillierten Analysen und öffentlichen Stellungnahmen, warum die von der Wertinvest-Gruppe vorgeschlagene Projektentwicklung am Wiener Heumarkt im Widerspruch zu den Grundsätzen einer sozial und stadträumlich nachhaltigen Planungspolitik stehe. Die Genehmigung der auf diesem Projekt aufbauenden Umwidmung wäre nicht nur ein verfehltes Signal im Sinne neoliberaler Anlasswidmung sondern darüber hinaus eine inakzeptable Weichenstellung Richtung Ausverkauf des Stadtzentrums (..) an die Immobilienwirtschaft.” Ein sofortiger Stopp des Umwidmungsverfahrens und ein Neustart mit Revision des Projekts unter Einhaltung der Auflagen der UNESCO wird gefordert. Der Aufruf ist von einer langen Liste namhafter Kunstschaffender Österreichs und maßgeblicher Vereine, wie Architekturstiftung Österreich, DOCOMOMO Austria, ICOMOS AUSTRIA, Österr. Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege ua. unterzeichnet, man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass er doch noch von den politischen Entscheidungsträgern gehört wird. (JK)


Heumarkt Projekt findet auch in internationalen Medien Beachtung: FAZ (4.2.2017) “Selbstzerstörung einer Kulturstadt”

Nicht nur die österreichischen Medien berichten über das geplante Monsterbauprojekt neben dem Wiener Konzerthaus. “Wien will sich mit einem Hochhausprojekt ´zukunftsfit´ machen und gibt dafür sein Weltkulturerbe preis” lautet der Untertitel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4.Februar 2017. Das Projekt würde als “offensive Stadtreparatur” verniedlicht, wobei man die Erklärung schuldig bliebe, welche sanierenden oder aufwertenden Effekte von Großprojekten im historischen Kontext ausgingen. Es wurde ein zweistufiger Architekturwettbewerb abgehalten, der – wenig überraschend – keinerlei Rücksichtnahme auf das Weltkulturerbe verlangte. Die am Projekt beteiligten Architekten und Planer, der Investor oder auch Wiens Tourismusdirektor betonen nun schon vorsorglich, dass die Stadt Wien das Weltkulturerbe gar nicht brauche – ja geradezu ein Hemmschuh von ihr abfallen würde. Diese frohlockende Feststellung könne man nur als Drohung verstehen. (FAZ, 4.Februar 2017, S 11. Autor: Reinhard Seiss)


Entscheidung über Hochhausprojekt am Heumarkt tritt in die heiße Phase: Wird der Investor die von ihm gewünschte Umwidmung im Gemeinderat durchsetzen können?

Gegner und Befürworter dieses riesigen Spekulationsprojekts im der Kernzone des Weltkulturerbes “Wien Innere Stadt” machen derzeit mobil. In einer Bürgerversammlung am 2o.Februar 2017 ernteten die Projektbetreiber, die wie immer versuchten mit lieblichen Renderings das “besondere Projekt ” schönzureden, heftigen Protest von den etwa 300 erschienenen Bürgern und Bürgerinnen. Künstler aus allen politischen Parteien rufen inzwischen zum Protest auf, mehrere neue Petitionen wurden gestartet, um diesen riesigen Baublock auf dem Eislaufverein Gelände zu verhindern. Continue reading


ZIVILTECHNIKERINNEN stellen Denkmäler in ein neues Licht und gestalten die Zukunft

Begleitet von einer sehenswerten Wanderausstellung fand im Palais Epstein am 16.Februar 2017 eine interessante Podiumsdiskussion zum Thema “Denkmalschutz weltoffen und progressiv” statt. Unter der sachkundigen Moderation von Gabu Heindl kamen Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamts, Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO Kommission und eine Reihe von jungen Architektinnen und Architekten zu Wort. Einhellig wurde betont, dass “dem Bauen im Bestand” in Zukunft viel mehr Bedeutung beigemessen werden sollte. Continue reading


Was haben Steinhof, der Heumarkt, der Karlsplatz und Donaufeld gemeinsam?

Was dort an Umwidmungen und Planungen abläuft, wird alles “unter der Tuchent” ausgemacht, man redet zwar immer von der Einbindung der Bevölkerung, diese ist aber nur eine Farce. “Man tut nur so” als ob man den Wienern und Wienerinnen zuhört. Längst ist im Vorfeld alles ohne jegliche Transparenz gelaufen. Die Baumfällungen in Steinhof sind da nur ein krasses Beispiel, man spricht jetzt vom endlich erfolgten “Baustart für leistbare Wohnungen” (OTS0105), man hätte sich eben FÜR die künftigen Bewohner entschieden. Wen interessiert Denkmalschutz, Ensembleschutz, ICOMOS, lauter “Gestrige” kommen immer mit solchen Argumenten. Continue reading


Bäume am Steinhof müssen für Wohnbau weichen

Rodung am SteinhofIn tiefer Trauer geben wir die Rodung der Bäume am Steinhof bekannt. Das ist ein harter Schlag gegen das Kultur- und Naturerbe Wiens und auch gegen die partizipative Demokratie, aber wir werden uns mit ganzer Kraft für die Wiederherstellung all dieser Qualitäten unserer Stadt einsetzen! Continue reading


Valentinsgruß von der Hohen Warte

Lasst uns dem Garten die Ehre geben, die ihm gebührt.

                                                Plinius                                                                                                                                          Continue reading

Änderung des Flächenwidmungsplans für das Hochhausprojekt Heumarkt/Eislaufverein

Die öffentliche Auflage für die Änderung des Flächenwidmungsplans am Heumarkt hat begonnen. Den Wünschen des Investors zur Errichtung eines Hochhausprojekts an diesem umstrittenen Platz im Zentrum des Weltkulturerbes “Wien Innere Stadt” wurde darin zur Gänze Rechnung getragen. Sollte die Umwidmung im Gemeinderat tatsächlich beschlossen werden, wäre dies ein Präzedenzfall zur Errichtung weiterer Hochhäuser im Ringstraßenbereich. Damit provoziert die Wiener Stadtregierung den Verlust des von der UNESCO verliehenen Welterbestatus für Wien. Continue reading


Baumfällungen im Otto Wagner Spital sollen nächste Woche beginnen!

Dass die GESIBA  die Baubewilligung für die ersten vier Wohntürme rund um die Pathologie bereits erhalten hat, ist noch durchgesickert. In der Wiener Energiewoche die dafür geplanten Baumfällungen im Osten des Spitalsareals still und heimlich durchzuführen, ist besonders perfide. Da kann es möglichst unauffällig von statten gehen und wenn die Menschen nach den Semesterferien zurückkommen, ist schon alles vorbei….(Mitteilung Initiative Steinhof)


Heumarktprojekt: Otto Kapfinger gibt VB Vassilakou das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien zurück!

Der in Wien tätige Architekt und Architekturkritiker Otto Kapfinger zog aus Protest gegen die gefügige Politik die Konsequenz: Er schickte das von VB Vassilakou 2015 erhaltene silberne Ehrenzeichen zurück. Respekt! meint Thomas Trenkler im heutigen (30.Jänner 2017) Kurier auf Seite 24. “Das Beharren auf die “schöne Aussicht” – nichts anderes heißt “Belvedere” – und das Pochen auf den Weltkulturerbestatus seien zudem nur Akte der Verzweiflung gegen eine Politik, die ihre Grundsätze verraten hätte”. (aufgeschnappt JK)

Die von der Landstraßer Bezirks FPÖ erzwungene Bürgerversammlung nach § 104c der Wiener Stadtverfassung zum Thema Heumarkt findet übrigens nicht im Festsaal der Landstraßer Bezirksvertretung, sondern im Hotel Intercont am Montag, 20.02.2017 um 18:30 statt. Die öffentliche Auflage zur Änderung des derzeitigen Flächenwidmungsplans 7158 beginnt am 2.Februar 2017 (Entwurf 7984).


OTS0214: Gerhard Kubik (SPÖ) meint: “Die Neugestaltung des Eislaufvereins bringt´s”

Die Wunschumwidmung des Eislaufvereinareals, um einen Investor an dieser sensiblen Stelle der Wiener Innenstadt einen die Sichtachsen störenden Luxuswohnturm errichten zu lassen, tritt in die heiße Phase. Nachdem auch der Stadtgestaltungsbeirat (Anm: man beachte dabei die Zusammensetzung!) nach anfänglicher berechtigter Kritik (mehrstimmig) grünes Licht gegeben hat, soll nun die bedenkliche Umwidmung ohne Rücksicht weiter durchgepeitscht werden. “UNESCO – Weltkulturerbe”, was interessiert uns das, das Projekt sei wohlüberlegt, “tausende Arbeitsplätze” würden geschaffen. “Die Umwidmung sei auch sinnvoll für die Wienerinnen”, meint pikanterweise auch der Kultursprecher der SPÖ, Woller. “Wien sei eine lebendige Stadt und keine archäologische Ausgrabungsstätte” (OTS0211). “Der internationale Architektenwettbewerb (Anm: vom Investor ausgelobt und bezahlt!) habe sogar (Anm: wen wundert das?) entschieden, dass es durchaus gewünscht (Anm: von wem wohl?) ist, das Gebäude höher zu bauen”. Wenn GR Kubik dann an die Opposition gerichtet meint: “Sie wünschen, wir spielen – das geht nicht”, dann kann das nur als makabrer Scherz gewertet werden, man glaubt, in einem falschen Film zu sein! (JK)


“Legt die Stadt Wien keinen Wert auf das Welterbeprädikat des historischen Zentrums?”

Das umstrittene Hochhausprojekt auf dem Heumarkt war nicht nur Thema in der Fragestunde der gestrigen 19. Sitzung des Wiener Gemeinderats, es gab auch um 16 Uhr eine Unterbrechung der Sitzung wegen eines dringlichen Antrags an den Herrn Bürgermeister zu “Wien als UNESCO-Weltkulturerbe erhalten”. Erwartungsgemäß sehen die Regierungsparteien das Hochhausprojekt nur überschwänglich positiv, harte Kritik gab es jedoch von der Opposition. Nicht nur die FPÖ, die die Anträge eingebracht hatte, ging mit der Vorgangsweise der Stadtregierung hart ins Gericht, auch die Vertreter der NEOS und der ÖVP kritisierten zurecht das Fehlen verbindlicher Richtlinien für Bauvorhaben. Das Wiener Stadtbild sei keine Wirtschafts- oder Tourismusfrage, sondern eine Entscheidung der Kulturpolitik. (JK)


Bürgerinitiativenplattform “Aktion 21″ feiert 10 jähriges Jubiläum

“was wir Wiener wirklich wollen” war in großen Lettern am Podium zu lesen. Jedenfalls keine Bürgerbeschäftigung, sondern eine tatsächliche Einbindung der Bevölkerung in wesentliche Entscheidungen. Diese habe es in der Form der von der Stadtverwaltung gegängelten “Agenda 21″ nicht gegeben, so wurde die “Aktion 21″ vor zehn Jahren gegründet. Über hundert Bürgerinitiativen hätten sich  im Laufe der Jahre dem Verein angeschlossen. Die Gründer, Herta Wessely und Helmut Hofmann, wurden von der derzeitigen Obfrau Andrea Willson vorgestellt. Gastredner waren Irmgard Griss und Reinhard Seiss, letzterer besonders bekannt geworden durch sein kritisches Buch “Wer baut Wien”. Tenor der Veranstaltung war “so kanns nicht weitergehen”. Die gewählten Abgeordneten müssten sich viel mehr der Bevölkerung verantwortlich fühlen und nicht nur der Partei, auf deren Liste sie kandidierten. (JK)


Wie geht es mit dem Hochhausprojekt am Heumarkt weiter?

In der Reihe der KulturTalk Veranstaltungen “Podium am Puls” im sehr gut besuchten Berio Saal des Wiener Konzerthauses diskutierten gestern unter Leitung des Chefredakteurs der “Presse” Rainer Nowak Architektin Gabu Heindl, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Architektur, Christian Kühn, Studiendekan Architektur an der TU Wien, Lili Licka, Landschaftsarchitektin, Christoph Luchsinger, Architekt und Städteplaner an der TU Wien und Leiter des kürzlich beendeten Vermittlungsverfahrens zwischen Stadt  und Investor, Dietmar Steiner, Architekturpublizist und ehemaliger Leiter des AzW sowie Daniela Enzi für den Investor Michael Tojner, der ebenso entschuldigt war wie die zu Beginn angekündigte Vizebürgermeisterin Maria Vassiakou. Trotz der Bemühungen der Vertreterin des Investors, Daniela Enzi, das Projekt nur lobend hervorzuheben, konnte nicht entkräftet werden, dass es nach wie vor für einen Bau dieser Art keine Flächenwidmung gibt – und möglicherweise auch nicht geben wird. Nicht der Investor schenke der Öffentlichkeit etwas sondern die Stadt würde den Wert der Liegenschaft durch die gewünschte Umwidmung um ein Vielfaches erhöhen, betonte Gabu Heindl. Continue reading


“Für die Bilder der Österreich Werbung werden Fotografen aber immer größere Brennweiten brauchen, um das Neue auszublenden”

so schreibt Martina Salomon im heutigen (5.Jänner 2017) Kurier Leitartikel, der mir besonders lesenswert erscheint. “Mitten an einem der sensibelsten Plätze Österreichs, dem Heldenplatz, entstehen voluminöse Bürokontainer, die nun die Sichtachse zwischen Hofburg und Rathaus verstellen. Der neue Bundespräsident wird vor seinem Fenster nicht imperiale Großzügigkeit vorfinden, sondern profane Flächennutzung”. “Wenn man noch dazu weiß, wie lange in Österreich Provisorien halten, darf man schon beginnen, sich zu fürchten”. (aufgeschnappt JK)