“Wien behält Weltkulturerbe” ist Landtagspräsident Ernst Woller überzeugt

So zu lesen in der Wiener Zeitung (Papierversion vom 28./29.Juli 2018, S18). Skeptisch zeigt sich allerdings Gabriele Eschig, die Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission. Man kommt nicht von der “Roten Liste”, wenn man nichts tut. Dass die UNESCO ein Auge zudrückt, wenn Wien verspricht, künftig keine solchen Hochhausbauten wie das Heumarktprojekt zuzulassen, hält sie für sehr unwahrscheinlich. Ob der Plan der Stadtregierung, die Welterbezone einfach zu verkleinern, damit der Heumarkt nicht mehr dazu gehört, aufgeht, ist sehr umstritten.


Immobilien-Zampanos entdecken Wiener Fußballvereine (und deren Plätze)

Im Zuge des windigen Deals mit der Hohen Warte zeigte IG Immobilien vor, wie es gehen kann: Unter der Regie von Ex-Nationalbanker Adolf Wala “unterwanderte” die Nationalbank-Tochter ihren Vertragspartner, den First Vienna FC 1894. Continue reading

Abrisswelle historischer Häuser vorerst “gestoppt”: nur was passiert jetzt mit diesen vielen Hausruinen?

Noch schnell vor Inkrafttreten einer Bauordnungsnovelle am 1.Juli 2018 wurden unzählige Hauseigentümer in Wien aktiv. Die bekannten Abbruchfirmen konnten sich vor Aufträgen nicht retten. Da der Abbruch von Häusern, die vor 1945 errichtet wurden, erschwert werden sollte, kam man dem noch rasch zuvor. Ungeachtet ob sich in den Häusern noch Mieter mit unbefristeten Mietverträgen befanden, wurden Dächer eingerissen, Fassaden abgeschlagen und Fenster herausgerissen. Die Baupolizei hat ab 1.Juli 2018 diese bereits begonnenen Abbrüche (zB Mariahilfer Straße 166/168 oder Radetzkystraße) zunächst einmal gestoppt, nur wer diese Teilruinen wieder aufbauen soll/wird, das bleibt vorerst ein Rätsel. Geldstrafen und Blockade der Baumaschinen helfen den Bewohnern nicht!


Heumarkt – der Countdown läuft: mit konkreter Umplanung der Lothringer Straße in Vorbereitung zur Umsetzung des Heumarktprojekts wurde heute begonnen

Wie in einer Pressekonferenz der Wiener ÖVP heute zu erfahren war, fand am Nachmittag eine erste Planungsbesprechung (“Audit zur Planungsfreigabe”) zur konkreten Umgestaltung der Lothringerstraße in Vorbereitung zur Umsetzung des Heumarktprojekts statt. Die Fahrbahn soll wieder in Richtung Innere Stadt zur Schule hin verschoben werden. Die Bezirksvertretung der Inneren Stadt ist hier nicht eingebunden, wird aber als Hauptbetroffene dagegen protestieren. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass erst vor wenigen Jahren um viele Millionen eine Neugestaltung und Begrünung der Lothringer Straße stattgefunden hat.

Während von allen politischen Parteien immer wieder betont wird, wie sehr sie das Weltkulturerbe schützen wollen, findet anscheinend still und heimlich das Bauverfahren statt.(JK)


28.Juni 2018: Fragestunde im Wiener Landtag: Weltkulturerbe wird nicht in der Wiener Bauordnung verankert

Anfragen der Opposition (Fürnkranz, FPÖ und Olischar, ÖVP) an Landeshauptmann Dr. Michael Ludwig, den Schutz der Welterbestätten in der Wiener Bauordnung zu verankern, verliefen im Sand. Wien hätte einen großen Teil der Stadt (Anm: 2% !) zum Welterbe erklärt, derzeit werde diskutiert, den Welterbe-Status auf einen Kernbereich der Innenstadt zu konzentrieren. Der Schutz des Welterbes und die Entwicklung der Stadt müssten vereinbar sein. Wien halte die Verpflichtungen der UNESCO für den Erhalt des Welterbes umfassend ein. Die Innenstadt sei zur Schutzzone erklärt und gemeinsam mit dem Denkmalschutz einzelner Objekte sei dadurch das gesamte Ensemble der Innenstadt gesichert. Betreffend das Bauvorhaben am Heumarkt sei die Stadt in laufenden Gesprächen mit der UNESCO, so Landeshauptmann Ludwig laut Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien. Dass diese Sichtweise nicht von allen geteilt wird, versteht sich von selbst. (JK)


Weltkulturerbe Wien Historisches Zentrum – VBin Vassilakou und BM Blümel jubeln fast “wortgleich”

Was ist geschehen? In der UNESCO Welterbe Sitzung in Bahrain wurde der Stadt Wien der Welterbestatus nicht aberkannt, allerdings bleibt Wien nach wie vor auf der “Roten Liste” der gefährdeten Kulturgüter. Österreich hat bloss Aufschub bekommen, den vertraglichen Vorgaben der UNESCO bis 2019 Rechnung zu tragen. In der Haltung der Stadt zum umstrittenen Heumarktprojekt in der Welterbekernzone hat sich jedoch bisher nichts geändert, der Investor hat über die Medien ausrichten lassen, dass er nicht daran denke, an den Plänen für das Heumarkprojekt etwas zu ändern. (Anm: warum sollte er auch, die von ihm gewünschte Anlasswidmung hat er durchgebracht – und weder die Volksanwaltschaft noch die Bundesregierung konnten sich bisher dazu aufraffen, diese beim VfGH überprüfen zu lassen)

Ungeachtet der Kritik der seitens der UNESCO bestellten Gutachter wurde gestern auch die Umwidmung am Karlsplatz mit Regierungsmehrheit beschlossen, damit sind die Aufstockungen neben der Karlskirche rechtlich möglich geworden, seitens der SPÖ Rathauspolitik (Landtagspräsident Woller, OTS0205) wird die Entwicklung als großer Erfolg gelobt. (JK)


Döblinger Heurigengegend wird zubetoniert

Neuesten Informationen zufolge hat RAIFFEISEN in der Döblinger Paradisgasse das Haus Nr. 24 (ehem. Heuriger Wagner, erbaut 1955) sowie die Häuser Nr. 26 und 26a erworben. Alles wird abgerissen, ein riesiger Wohnkomplex entsteht. Auch auf der gegenüber liegenden Straßenseite werden die naturbelassenen Gärten neben dem Heurigen Haselbrunner-Hengl verbaut. Auf einem entsprechenden Transparent wird bereits die Errichtung von Luxuswohnungen angekündigt. Continue reading

Gibt’s Stadion-Skandale nur in Russland?

 

Die “Krone” berichtet in einem WM-EXTRA über Stadion-Skandale in Russland. Im Veranstalterland der Fußball-WM 2018 gibt’s kaum ein WM-Stadion, bei dessen Errichtung bzw. Umbau nicht Korruption im Spiel wäre. Vor Beginn der Fußball-WM schauen die Medien natürlich gern ins ferne Russland. Aber Moskau ist weit. Vielleicht würde auch ein Blick aus den Fenstern der Redaktionsstuben im Pressehaus auf die – nur wenige Tormannausschüsse entfernte – Naturarena Hohe Warte genügen, um bei der Suche nach Skandalen fündig zu werden? Continue reading

Hohe Warte: “Derby of Love” vor toller Kulisse

Trotz der ORF-Liveübertragung kamen 3.500 Fans zum “Derby of Love” in die herrliche Naturarena auf der Hohen Warte. Das freundschaftliche Duell der Traditionsvereine konnte die Vienna mit einer ansprechenden Leistung gegen den Wiener Sportclub knapp 2:1 gewinnen. Vor dem Match wurde der Vienna-Legende Hans Buzek zum 80. Geburtstag gratuliert. Der einstige Torjäger bekam ein blau-gelbes Trikot mit der Rückennummer 80 als Geschenk und durfte den Ankick machen. Continue reading

NEOS Wien starten Ideenwettbewerb der Bevölkerung zur Zukunft des Otto-Wagner-Areals

NEOS Wien und NEOS Penzing nehmen einen neuen Anlauf für eine adäquate Weiterentwicklung und eine sinnvolle Nachnutzung des Otto Wagner Areals. Nach der medienwirksam verkauften, von VBin Vassilakou initiierten, Mediation in den Jahren 2012/13 ist es um die Zukunft der berühmten Jugendstilpavillons still geworden. Es gibt nach wie vor kein Gesamtkonzept, der VAMED Monsterbau im Osten wurde mit Billigung des Bundesdenkmalamts noch beträchtlich weiter ausgebaut, GESIBA Wohnbauten breiten sich im denkmalgeschützten Areal weiter aus, hunderte Bäume wurden dafür gefällt, weitere Fällungen sollen folgen. Ob die derzeit angedachte Zweigstelle der Soros Universität in einigen der Pavillons für das Gesamtareal eine wünschenswerte Entwicklung einleiten könnte, werden erst die noch ausstehenden Verträge zeigen.

Die Bevölkerung ist eingeladen bis 15.September 2018 Vorschläge, Wünsche und Visionen für das Areal zu präsentieren, die besten Ideen werden prämiert. Rückfragen bei NEOS Penzing, Wolfgang Gerold, NEOS Bezirksklubobmann, +4317168930, wolfgang.gerold@neos.eu

 


ÖVP lädt NGOs und Bürgerinitiativen am 13.April 2018 zu einem “Runden Tisch Weltkulturerbe”

Mit etwa 50 Vertretern diverser NGOs und Bürgerinitiativen diskutierten am 13. April 2018 BM Blümel und Stadtrat Wölbitsch die verfahrene Situation der Hochhauswidmung am Heumarkt, die der Stadt Wien die Aberkennung des Weltkulturerbestatus durch die UNESCO bringen könnte. Man plane, den Schutz des Welterbe-Status in der Stadtverfassung zu verankern, das gelte allerdings dann nur für die Zukunft. Es sei dies notwendig, da die rot-grüne Stadtregierung in den letzten Jahren den Welterbestatus bei der Stadtplanung immer wieder außer Acht gelassen habe. Während die FPÖ eine Verordnungsprüfung der vom Investor gewünschten Anlasswidmung am Heumarkt beim VfGH verlangt, zeigen sich die ÖVP Vertreter hier eher zurückhaltend, obwohl auch die Volksanwaltschaft (Dr. Brinek, ÖVP) hier einen eklatanten Missstand festgestellt hat. Nur wenn die bereits von rot-grün im Juni 2017 beschlossene Anlasswidmung rückgängig gemacht werden könnte, würde dem umstrittenen Hochhausprojekt am Heumarkt die Rechtsgrundlage entzogen. (JK)


Architekt Gustav Peichl kritisiert die Freundschaftswidmungen der Stadt Wien: “was die Stadt Wien gerade aufführt mit ihren Umwidmungen, etwa beim Eislaufplatz am Heumarkt, das geht nicht!”

Der Architekt und Karikaturist Gustav Peichl feiert seinen 90.Geburtstag. Scharfzüngig geht der Jubilar mit den Widmungsverfahren der Stadt Wien ins Gericht. “Ich bin nicht gegen Hochhäuser. Ich sage nur eins: Hochhäuser dort, wo sie hingehören.” Obwohl er selbst Hochhäuser baute, sieht Peichl am Heumarkt keinen Platz für ein Hochhaus. Ein Bau an diesem Standort dürfte nie so hoch sein und müsste wenigstens um ein Drittel weniger Kubatur aufweisen. Das derzeitige Heumarkt Projekt sei “entsetzlich”, es erinnere an eine Kiste mit Löchern. “Architektur ist dann gut, wenn die Summe aus Form, Funktion und Material stimmt.” (Interview im Profil 11/2018 und Sendung Wien Heute am 17.3.2018)


Neue Hoffnung für den Fußweg auf den Schafberg in Dornbach?

Zur Erinnerung: Trotz heftiger Proteste der Bevölkerung wurde dieser bequeme Spazierweg von der Handlirschgasse zur Schafberghöhe vor einigen Jahren wegen “Gefährlichkeit” gesperrt. Da im oberen Teil des Wegs nun ein großes Bauvorhaben mit beachtlichem Aushub zu beobachten war, wurde das Thema “Gefährlichkeit des Mauserlwegs” wieder virulent. Die Neubeurteilung der Eigentumsverhältnisse und der geologischen Gegebenheiten waren eines der Hauptthemen in der gestrigen Bezirksvertretungssitzung in Hernals. Anfragen und Anträge seitens der FPÖ, der Grünen und der NEOS führten neuerlich zu heftigen Diskussionen. Der Wunsch, den Weg wieder für die Allgemeinheit begehbar zu machen, wurde von allen Fraktionen im Bezirk betont. In der Sitzung im Juni wird die Sachlage nach Einholen diverser Gutachten, die bisher fehlen, neu bewertet werden. (JK)


Podiumsdiskussion: “Luxuswohnturm am Heumarkt – wächst Wien in die falsche Richtung?”

Am 6.März 2018 lud das Cajetan Felder Institut zu einer spannenden, sehr gut besuchten, Podiumsdiskussion in den Figaro-Saal des Palais Palffy. Moderiert von KR Walter Prinz diskutierten DI Mag.Dr. Bruno Maldoner, ehemals im BKA für Weltkulturerbefragen zuständig, Planungsdirektor der Stadt Wien DI Thomas Madreiter, DI Herbert Rasinger, Initiative Stadtbildschutz, NR Dr. Walter Rosenkranz, Kultursprecher der FPÖ und LAbg Ernst Woller (SPÖ),  seit 20 Jahren Vorsitzender des Kulturausschusses im Wiener Rathaus.

Die Frage der rechtlichen Wirksamkeit der UNESCO Welterbekonvention wurde neuerlich beleuchtet, Österreich sei hier im Jahr 1993 freiwillig beigetreten, die UNESCO könne hier “nicht anschaffen”, betonte Maldoner. Ein Problem sei hier auch die föderale Struktur Österreichs, während etwa Salzburg das Welterbe in der Stadtverfassung verankert hätte, sei das in Wien nie geschehen, obwohl es zahllose Änderungen der Wiener Bauordnung seither gegeben hätte. Rasinger forderte, Wien solle zu seinen mehrfach nachzulesenden Zusagen stehen, Madreiter betonte die wenig konkreten Formulierungen in der Welterbekonvention, aus denen “rechtlich nichts zu gewinnen sei”. Rosenkranz vertrat die Meinung, die Bundesregierung solle eine Verordnungsprüfung der Umwidmung des Heumarkts beim VfGH anstreben, auch die Volksanwaltschaft hätte diese Anlasswidmung als Verwaltungsmissstand bestätigt. In der von ihm bekannten “Drüberfahrmanier”  verteidigte Woller die Entscheidung der Stadtregierung für die Umwidmung, das Heumarktprojekt sei großartig, Architekt Weinfeld ein weltberühmter Architekt, der Investor geradezu ein Wohltäter für die Bevölkerung, der mit diesem Projekt kaum Gewinne mache. Er erntete dafür zahlreiche Missfallenskundgebungen aus dem Publikum, die jedoch, wie stets, von ihm abprallten. (JK)


Was ist ein “Hochhausstandort”?

Nach der Wiener Bauordnung (WBO), § 7 f sind Hochhäuser Gebäude, deren oberster Abschluss einschließlich aller Dachausbauten mehr als 35m über dem tiefsten Punkt des anschließenden Geländes liegen. Was ein “Hochhausstandort” ist, definiert die WBO nicht. “Standort” ist daher nur eine schwammige Benennung eines Areals, eines Umfelds oder einer Gegend ohne nähere Konkretisierung, wie das Gesetz es sehr wohl beim Anrainerbegriff vorsieht. Hier gibt es genaue Meterangaben, ab wann man kein Anrainer mehr ist. Diese legistische Verwässerung scheint man nicht ohne Grund bei den neuen Masterplänen oder der neuen Hochhausrichtlinie anzuwenden. Die Frage ob der ganze Karlsplatz nun ein “Hochhausstandort” ist, bleibt somit offen, die Karlskirche ist sicher mehr als 35m hoch, eine Beschränkung auf Parzellen oder konkrete Abstände werden anscheinend ganz bewusst vermieden. Alles bleibt “ungefähr” und im unermesslichen Ermessen der Rathauspolitik. Es fällt schwer, hier nicht von voller Absicht zu sprechen. (JK)