Häupl hat Wiener Sportstätten-Misere zu verantworten

Sport Piktogramm

Erst durch den Medienwirbel um den Häupl-Schmäh Volksbefragung wurde einer breiten Öffentlichkeit die Wiener Sportstätten-Misere bekannt. Diese hat der Bürgermeister mit seinem halbherzig agierenden Sportstadtrat zu verantworten.

Unmittelbar nach Bekanntwerden erster Ergebnisse der Wiener Volksbefragung zeigte sich Bürgermeister Häupl angesichts der geplatzten Olympia-Träume pikiert. Demonstrativ kündigte er neue Sportzentren an, um seinen Reformwillen unter Beweis zu stellen. Die Ankündigung neuer Großprojekte klingt für den Steuerzahler in Zeiten wie diesen wie eine gefährliche Drohung. Man denke nur an die Millionengräber bei der EURO 2008 oder an die fehlgeschlagene Sanierung des Stadthallenbades.
Schon unter der glücklosen Sportstadträtin Grete Laska blühte die Freunderlwirtschaft in der Wiener Sportpolitik: Statt Geld für die Sanierung des traditionsreichen Stadions Hohe Warte in die Hand zu nehmen, wurde gemeinsam mit dem Döblinger Bezirksvorsteher Adolf Tiller (VP) ein fragwürdiger Immobilien-Deal eingefädelt, der vom Rechnungshof heftig kritisiert wurde.
Diese Machenschaften in Döbling zeigt auch der Stadtplaner Reinhard Seiß auf. Er schreibt in seinem Buch “Wer baut Wien?”:
Der Deal, den Kaufpreis (eines frei zugängliches Areals im Grünland, Anm.) zu zwei Drittel durch Gegenleistungen abgelten zu lassen, hatte den Effekt, dass sich Sportstadträtin Grete Laska die überfällige Sanierung und Aufwertung des Fußballstadions im Umfang von insgesamt fünf Millionen Euro ersparte. Von einer monetären Abgeltung hätte das Ressort von Vizebürgermeisterin Laska hingegen nicht in dem Maße profitiert, da die Einnahmen aus städtischen Liegenschaftsverkäufen an die MA 69 und in weiterer Folge an das Zentralbudget der Stadt Wien fließen.
Allein die Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele hätte rund 100 Millionen Euro gekostet. Um dieses Geld könnte endlich die Sanierung der bereits bestehenden Sportstätten Stadthallenbad, Hanappi-Stadion, Stadion Hohe Warte und Sportclubplatz in Dornbach angegangen werden. Die wenigsten Wienerinnen und Wiener haben etwas gegen den Ausbau einzelner Sportstätten einzuwenden. Aber sicher nicht durch Luxusbauten wie Hotels oder ähnliche Projekte mit einem Hintergrund, der mit der Erhaltung bzw. Benützung der Sportanlage überhaupt nichts zu tun hat, sondern durch Trainingsplätze und Spielfelder mit den dazugehörigen Zuschauertribünen.
Die Wiener Bürgerinnen und Bürger konnte Häupl mit seinen unausgegorenen Olympia-Plänen nicht überzeugen. Das hat nichts mit Sportfeindlichkeit zu tun, vielmehr war der gesunde Hausverstand für das klare Nein zu diesem Anflug von Großmannssucht ausschlaggebend.
Michael Jungwirth
PRO HEILIGENSTADT