Was wird nun wirklich mit dem Otto Wagner Spitalsareal am Steinhof geschehen?

Die Vorgeschichte ist hinreichend aus den Medien bekannt. Durch eine Umwidmung im Jahre 2006 (SPÖ Alleinregierung) fiel die Widmung für “öffentliche Zwecke” für das Areal, für eine zukünftige Wohnbebauung waren somit unter Umgeheung einer strategischen Umweltprüfung (SUP) bereits alle Weichen gestellt worden. ÖVP und die Grünen hatten die Folgen damals bereits vorausgesehen. Unter höchster Geheimhaltung liefen die Genehmigungen für das nun in Fertigstellung begriffene VAMED Rehazentrum ab, erst als die Bauarbeiten begannen, brach der Sturm des Protests der Bevölkerung los. Da 2008 mit Gemeindertsbeschluss auch die (+/-) stadteigene Wohnbaugenossenschaft GESIBA einen beträchtlichen Anteil der denkmalgeschützten Fläche im Osten zur Errichtung von mehr als 600 Wohnungen erworben hatte, war die Zerstörung der Gesamtanlage nur mehr eine Frage der Zeit.

60.000 Unterschriften wurden in kürzester Zeit gegen die Verbauung dieser einmaligen Jugendstilanlage am Rande des Wienerwalds gesammelt, Planungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Vassilakou schlug daher ein Mediationsverfahren mit den Bürgern und Bürgerinnen vor, Bürgermeister Häupl verordnete ein “Zurück an den Start”. Die Bürgerinitiativen forderten, die Stadt Wien möge endlich die Initiative ergreifen, und die Otto Wagner Spitalsanlage für die Vorschlagsliste der UNESCO als Weltkulturerbe nennen.

Die Mediation brachte inhaltlich das Ergebnis, dass namhafte Experten auf dem Gebiet der Kunstgeschichte, Ökologie und Architektur die Bebauungsmöglichkeiten des Ostareals bewerten sollten. Das Ergebnis dieser von Frau VB Vassilakou bestellten Experten (vorwiegend aus dem Fachbereich Architektur – Kunstgeschichte und Ökologie waren nicht vertreten) liegt nun vor und wurde in einer Pressekonferenz am 3.April 2013 vorgestellt und in der Gemeinderatssitzung am 4.April 2013 in der Fragestunde behandelt.

Die Experten und Expertinnen unter der Leitung von Prof.Arch.DI Krischanitz kamen zu dem Schluss, dass man nur das Gesamtareal Otto Wagner Spital betrachten könne und nicht nur über eine eventuelle Bebauung des Ostareals Entscheidungen treffen könne, was dem ursprünglichen Auftrag entsprach. Das Gesamtareal solle weiters im Eigentum der öffentlichen Hand bleiben. Die Sichtachsen und Grünflächen, die integrierender Bestandteil der Planung Otto Wagners seien, müssten jedenfalls unverbaut bleiben.

In der der Fragestunde der Gemeinderatssitzung am 4.April 2013  auf dieses Ergebnis der Experten angesprochen, zeigte sich Frau Vizebürgermeisterin damit zufrieden. Anfragen der Opposition (ÖVP, FPÖ) bezüglich des Initiativwerdens der Stadt Wien wegen einer Anerkennung als Weltkulturerbe entlockten ihr nur ein müdes Lächeln. Das “überschreite ihre Kompetenz, und überhaupt hätte sie dazu keine abschließende Meinung”.

Man kann also gespannt sein, ob alle Bemühungen der Bevölkerung dieses wunderbare Jugendstiljuwel am Rande des Wienerwalds vor unsensibler Verbauung zu schützen auch bei den Politikern fruchten wird. Ein drastisches negatives Anschauungsbeispiel ist das monströs geratene VAMED Rehazentrum im Osten der Anlage, ein Fremdkörper neben den zarten Jugendstilpavillons.

Johanna Kraft

(Teilnehmerin der Steinhof Mediation)
Siehe dazu auch die HP der Initiative Steinhof erhalten.