Zieselwanderung am Marchfeldkanal in Stammersdorf

Fast 300 Leute nahmen am Samstag, 15. Juni 2013 an der Zieselwanderung der überparteilichen Interessensgemeinschaft Lebensqualität Marchfeldkanal in Wien Stammersdorf teil. Vertreter der Bürgerinitiative und Madeleine Petrovic vom Wiener Tierschutzverband informierten über den Lebensraum der stark gefährdeten Europäischen Ziesel und anderer seltener Tierarten, die auf dem Grundstück leben, und ihre Gefährdung durch ein geplantes Bauprojekt.

Nachdem die Ziesel früher insbesondere von der Landwirtschaft eher als Schädlinge wahrgenommen wurden, sind sie inzwischen aufgrund von gezielter Ausrottung und durch die Veränderung ihrer Lebensräume (Ackerbau, Flurbereinigungen, Verbauung, u.a.) derart stark dezimiert, dass sie jetzt in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste der bedrohten Tiere stehen.
Obwohl lange bekannt war, dass am Gelände des Heeresspitals und der Umgebung Ziesel leben, wurde 2007 die von Zieseln besiedelte Wiese am Marchfeldkanal vom Gemeinderat als Bauland gewidmet und 2010 von Bauklasse I auf Bauklasse III aufgewertet. Ende 2012 hat die Floridsdorfer Bezirksvertretung mehrheitlich ein Naturschutzgebiet auf den Grünflächen um das Heeresspital und gleichzeitig die Errichtung der dort geplanten Wohnbauten auf einem Alternativstandort gefordert. Dennoch genehmigte die MA22 (Wiener Umweltschutzabteilung) im Mai 2013 die Umsiedlung der Ziesel auf sogenannte Ausgleichsflächen. Die Übersiedlung ist eine äußerst fragwürdige Angelegenheit: die Ziesel genießen „Lebensraumschutz“, was bedeutet, dass sie nicht gestört, geschweige denn vertrieben werden dürfen. Daher sollen die Ziesel auf die Ausgleichsflächen gelockt werden, was aber äußerst unwahrscheinlich ist, da Ziesel die angebotenen Böschungen normalerweise nie besiedeln, und die einzige wirklich geeignete Ausgleichsfläche nur über einen 2 Meter breiten und fast 200 Meter langen Korridor erreichen könnten. Für den Fall, dass die halbe Zieselpopulation auf die Ausgleichsflächen wechseln würde, hat die Naturschutzbehörde aktive Vertreibungsmaßnahmen bewilligt, die jedoch klar der FFH-Richtlinie und dem Wiener Naturschutzgesetz widersprechen.
Bei einem Rundgang um die Wiese und zu den Ausgleichsflächen konnten sich die TeilnehmerInnen selbst ein Bild der Situation machen.

Und zum Abschluß: Warum um Himmels Willen treibt man diesen gigantischen Aufwand, wenn man doch ganz einfach das Bauprojekt anstatt der Ziesel übersiedeln könnte?

 

Heinz Berger
(Donaufeld)