Testplanungen als neue Methode für komplexe raumplanerische Aufgaben – 74m Hochhaus beim Eislaufverein und Otto Wagner Spital am Steinhof

Was versteht man tatsächlich unter einem Testplanungsverfahren und ist immer auch “das drinnen, was draufsteht”?

Stadtverwaltung und Investor rühmten das “neue Verfahren” bei der Neuplanung des Wiener Eislaufvereinsgeländes, namhafte Architekten und Vertreter der Architektenkammer kritisierten hingegen in der Pressekonferenz am 23.Mai 2013 scharf die Undurchsichtigkeit des abgelaufenen Verfahrens, das, ihrer Meinung nach, etliche Mängel aufwies. Als Resultat wären in diesem Fall vom Investor selbst erstellte Luxus-Hochhaus-Varianten präsentiert worden (OTS 0263 vom 18.Mai 2013). Diese Varianten entbehrten jeder stadträumlichen, gesellschaftspolitischen und baukulturellen Rechtfertigung.

Das Testplanungsverfahren für das Otto Wagner Spital hat gerade erst begonnen, der Verlauf und der Ausgang wird von der Bevölkerung argwöhnisch beobachtet. Ein Grund, einmal Informationen einzuholen, was man unter diesem Planungsverfahren nach “Schweizer Muster” überhaupt versteht. Bei einer Broschüre des Amts für Raumplanung des Kantons Solothurn oder in der Zeitschrift TEC21 29-30/2010/”Ideen im Raum” wird man fündig.

“Testplanungen bewähren sich als neue Methode für komplexe raumplanerische Aufgaben: Vorschläge verschiedener Teams werden in einem interdisziplinären Kommunikationsprozess miteinander verglichen. Spielräume sollen ausgelotet und Richtungen festgelegt werden. Konkurrierende Vorschläge  dienen dazu, Übereinstimmungen und Unterschiede erkennen zu lassen. Das Resultat kann in einer Kombination verschiedenener Lösungselemente bestehen. Die spätere konkrete Ausgestaltung ist erst Gegenstand weiterführender Verfahren. Eine Verneinung der Machbarkeit stelle ebenfalls ein wertvolles Resultat dar und würde nicht als Scheitern beurteilt. Das Verfahren diene ausschließlich dazu, Rahmenbedingungen und Möglichkeiten festzulegen – etwa wieviel Bauvolumen verträgt dieser Stadtteil – und sei keineswegs ein Architektenwettbewerb, bei dem es ein “Siegerprojekt” gäbe.”

Interessant ist, dass dieses Planungsverfahren eigentlich aus Wien stammt. Es geht auf die Zeit der massiven Donauüberschwemmungen in der 1970er Jahren zurück, es wurde damals das sog “Wiener Modell” der Testplanung entwickelt, um allen Interessensgruppen möglichst gerecht zu werden. In der Schweiz wurde das Verfahren in der Folge weiterentwickelt und zeitlich verkürzt. Eine heutige Testplanung dauert in der Schweiz in der Regel etwa ein Jahr mit einem weiteren Jahr für eine ev Vertiefungsphase.

Auf den Verlauf und das Ergebnis des Testplanungsverfahrens in der Causa Otto Wagner Spital kann man gespannt sein!

JK