Offener Brief an das Expertengremium “Otto Wagner Spital”

Sehr geehrte Frau Prof. Auböck! Sehr geehrte Frau Prof. Plakolm!
Sehr geehrte Herren!

Vielen Dank für das Protokoll des Workshops vom 29.Juli 2013 und die schriftlichen Unterlagen zu Ihrer Pressekonferenz vom 13.August 2013, leider war die Bürgerinitiative davon nicht informiert worden. Zusammen mit den anderen Protokollen und meinen eigenen handschriftlichen Aufzeichnungen der Sitzungen am 3./4. Und 29.Juli 2013 stellen diese Unterlagen eine wichtige Dokumentation des bisherigen Verfahrensablaufs dar.

Wie Sie wissen, habe ich für die Bürgerplattform als Urlaubsvertretung für Frau Muchsel als Beobachterin an diesen Sitzungen teilgenommen. Trotz großer Skepsis einiger Mitglieder unserer Gruppe über die Sinnhaftigkeit einer solchen Teilnahme habe ich mich dazu bereit erklärt, hatten doch die von Ihnen in Ihrer Stellungnahme (Pressekonferenz am 3.April 2013) genannten neun Punkte als Ergebnis der Expertenberatungen ein faires und interessantes Planungsverfahren erwarten lassen. Im sog Aufgabenbeschrieb an die von Ihnen ausgewählten sechs Architektengruppen waren auch diese neun Bestimmungen als verbindliche Voraussetzungen für das vorliegende Testplanungsverfahren bezeichnet worden.

Die Sitzungen am 3. Und 4.Juli 2013 verliefen dann auch durchaus hoffnungsvoll. Aufgabe des Verfahrens sei das Analysieren des Charakters des Orts, verträgliche bauliche und städtebauliche Strukturen sollten gefunden werden, Freiräume mit ihren Sichtbezügen, „der Atem der Landschaftlichkeit“ solle berücksichtigt werden. Die schon bei ihrem Zustandekommen 2006 höchst umstrittene Widmung des Areals OWS sei ja nur ein Maximalrahmen, der ja bei der Planung nicht ausgeschöpft werden müsse, war von Vertretern der MA21 zu vernehmen.

Der Paukenschlag erfolgte dann in der Sitzung am 29.Juli 2013. Anscheinend – so zumindest mein Eindruck– hatte es inzwischen massiven Druck seitens der politischen Auftraggeber gegeben. Thema waren auf einmal ausschließlich diverse Wohnbauvarianten (Bauklasse III, 16m Traufenhöhe, 12 – 18.000m² Nutzfläche) sowie ein südlicher Erweiterungsblock („Hofschließung“) von 3.500 m² Nutzfläche und mindestens 15m Trakttiefe für das VAMED Gebäude. Das VAMED „Monstrum“ bezeichneten Sie selbst öffentlich als „Unfall“, das bereits jetzt „die Maßstäblichkeit des Areals zerstört“. An die sechs Architektenteams wurden in dieser Sitzung bereits die Baufelder zur vertiefenden Planung verteilt, darunter eben auch der sog Querblock als Erweiterungsanbau für das VAMED Gebäude. Elf Wohntürme von 16m Traufenhöhe mit jeweils 12-16 Wohneinheiten sind somit im Ostareal der denkmalgeschützten Anlage bereits in Planung.

Dass der Schlüssel für die geplante Wohnverbauung in der 2006 erfolgten höchst umstrittenen Widmung liegt, ist kein Geheimnis. Im Vorfeld hatte Prof. Wehdorn 2004 in einem Gutachten für die Stadt Wien für den nun bearbeiteten Ostteil für ev Neubauten eine maximale Bauhöhe von 12m vorgeschlagen, was jedoch bei der Widmungsänderung 2006 ignoriert wurde. Der dann beschlossene Bebauungsplan sah nämlich 16m Traufenhöhe vor.

Auch seitens des Bundesdenkmalamts gab es 2006 anläßlich der Widmungsänderung heftige Proteste, da die neue Widmung dem Denkmalschutz für die Anlage nicht entsprach. Dass das Bundesdenkmalamt vorschreibt, dass sich jeglicher Neubau in dem als Gesamtanlage unter Denkmalschutz stehenden Areal dem Bestand unterordnen müsse, ist bei der jetzigen Planung (16m hohe Wohntürme!) anscheinend auch kein Thema.

Da die jetzt stattfindende sog „Testplanung“ mit den von Ihnen selbst am 3.April 2013 festgelegten neun Empfehlungen an die Stadtregierung überhaupt nichts mehr zu tun hat, sehe ich keinen Sinn darin, bei den folgenden Sitzungen weiter teilzunehmen.

Mit Nachdruck möchte ich Sie als das Verfahren leitende Expertengremium an Ihre eigenen Empfehlungen an die Stadtregierung erinnern. Die meisten Mitlieder der Bürgerinitiative waren der Ansicht, dass Sie diese von Ihnen erhobenen Forderungen auch ernst nehmen. Was jetzt passiert, ist ein Verrat an Ihren eigenen Empfehlungen vom 3.April 2013. Unabhängige Experten mit hervorragendem Ruf, wie Sie es sind, dürfen sich doch nicht derart von der Politik bevormunden lassen!

Noch ist es für ein Umdenken nicht zu spät.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.Johanna Kraft
BI Steinhof