“Wien wächst” – eine “gefährliche Drohung” der Wiener Stadtregierung ?

Laut Hochrechnungen der Wiener Stadtplanung soll die Stadt Wien bis 2030 um 300.000 Menschen “wachsen”, Grundlage dieser Berechnungen ist der Zuzug der letzten Jahre. Wien soll somit bei gleichbleibenden Stadtgrenzen die Bewohnerzahl der Stadt Graz aufnehmen und verkraften müssen. Das “Geschäft mit der Stadt” blüht, für ihre Flächen, Gebäude und Infrastruktur zeigen Investoren daher gesteigertes Interesse.

“Es muss gut überlegt werden, wo und wie die Stadt wachsen und gleichzeitig die hohe Lebensqualität Wiens gehalten oder noch weiter verbessert werden kann” – diese schönen Worte sind in einem Flyer der Wiener Stadplanung zu lesen, wie diese Quadratur des Kreises gelingen soll, ist der Bevölkerung weitgehend unklar.

Auch die Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) hat dieses Thema zum Jahresschwerpunkt erklärt. Bei einer Führung in Kaisermühlen wurde etwa das umstrittene geplante Hochhausprojekt (147m) an der Reichsbrücke kritisch hinterfragt. Eine Verdichtung dieses Ausmaßes hält man an diesem neuralgischen Punkt für unzumutbar. Im Donaufeld, einem vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Nahversorgungsgebiet nördlich des Erholungsgebiets Alte Donau sollen 6.000 neue Wohnungen entstehen. Für die Stadtverwaltung zählt das Donaufeld auf Grund dieser Gunstlage nahe der Alten Donau zu den attraktivsten Stadtentwicklungsgebieten Wiens. Aus Sicht der Bevölkerung ginge damit der einzigartige Charakter dieser Region unwiederbringlich verloren, das beliebte Naherholungsgebiet der Wiener, die “Alte (und auch die Neue) Donau” könnte schwerlich 15.000 zusätzliche ”Dauergäste” verkraften, an schönen Sommertagen ist es dort jetzt schon mehr als überfüllt.

Das denkmalgeschützte Jugendstilspital am Steinhof ist auch nicht vor Verbauungsplänen sicher, noch hält sich die Stadtverwaltung bedeckt, was dort nun wirklich geschehen soll.

Auch vor Naturschutzgebieten macht die Verbauungswut der Stadt nicht Halt. Beim Heeresspital in Floridsdorf sollen geschützte Ziesel “umgesiedelt” werden, um Bauflächen zu gewinnen.

Bürgerproteste gegen den hemmungslosen und von der Stadtpolitik gewünschten und tolerierten Verbauungswahn der Investoren nehmen zu. Viele Bürger/Innen fragen sich, was die Stadt eigentlich unternimmt, um die vorhergesagte Vermehrung der Bevölkerung Wiens um das Ausmaß der Bewohnerzahl von Graz zu verhindern. Denn es ist absehbar, dass es einmal  keine sog “Reseveflächen” mehr geben wird, die man noch weiter zubetonieren kann - und was ist dann??

“Wir stehen nicht dafür, dass alles verbaut wird, was sich nicht wehren kann”, sagte Eva Glawischnig im Ö 1 Morgenjournal am 30.April 2013 (vor der Wahl in Tirol). Bis zu ihren MitarbeiterInnen nach Wien dürfte sich diese weise Meldung der “Grünenchefin” leider nicht durchgesprochen haben!

JK