Totengedenkstätten in Wien “Hüter des kulturellen und historischen Erbes” – weiterhin eine wichtige Aufgabe von Bürgerinitiativen

Die Schutzwürdigkeit historischer, künstlerisch wertvoller Grabanlagen und Totengedenkstätten sollte eine Selbstverständlichkeit zur Bewahrung der Wiener Friedhofskultur sein. Private Initiativen sind dabei nach wie vor ein unerlässlicher Beitrag. 

Nach der Ausgliederung aus der Rathausverwaltung verwaltet jetzt die Friedhöfe Wien GmbH mehr als 600.000 Gräber auf 46 Wiener Friedhöfen (Quelle: Nachrichten der Initiative Denkmalschutz – Nr. 12/Okt-Jän 2012/13). Als Gesamtanlagen stehen der Wiener Zentralfriedhof, auch die von Clemens Holzmeister geplante Feuerhalle Simmering unter Schutz. Die Instandhaltung denkmalgeschützer Gebäude wird von der Abteilung Infrastruktur der Friedhöfe Wien GmbH wahrgenommen und stellt einen erheblichen Anteil des gesamten Instandhaltungsaufwands dar, so Mag.Nina Lämmermayer, Friedhöfe Wien GmbH.

Der Ende des 19.Jahrhunderts angelegte Wiener Zentralfriedhof stellt zu Recht eine ganz besondere Tourismusatraktion dar, für viele Reisegruppen gehört er zum Pflichtprogramm. Aufwändige Restaurierungen der Luegerkirche, der Gebäude des Eingangsbereichs und der 1906 erbauten Arkaden und die zahlreichen künstlerisch bemerkenswerten Grabstätten machen den Friedhof zu einem Juwel und großartigen Dokument der Wiener Friedhofskultur.

Der jüdische Friedhof in Währing (durch neu gezogene Bezirksgrenzen jetzt in Döbling gelegen) kämpft hingegen hartnäckig seit Jahren gegen seinen Verfall. Bereits 1784 von Josef II. gegründet, war er bis zur Eröffnung der jüdischen Abteilung auf dem Zentralfriedhof die einzige offizielle Begräbnisstelle für Juden in Wien. Nach Angaben der Israelitischen Kultusgemeinde wurden etwa 30.000 Menschen hier begraben. Nach wechselvollem Schicksal (Tina Walzer: Der jüdische Friedhof Währing in Wien. Entstehung, Zerstörungen der NS-Zeit, Status quo. Böhlau Verlag 2011) bemüht sich die Plattform Jüdisches Erbe unermüdlich, den Verfall aufzuhalten. Freiwillige haben mitgeholfen, den Bewuchs in den Griff zu bekommen, um ein kunsthistorisches Inventar überhaupt einmal anlegen zu können. Eine Führung mit Tina Walzer sei hier wärmstens empfohlen. Man bekommt Einblicke in die jüdische Kultur und Totenriten, die sich doch sehr wesentlich von christlichen Gebräuchen unterscheiden. Der zähe (oft frustrierende) Kampf mit den zuständigen Verwaltungsbehörden ist geradezu kennzeichnend für alle Bürgerinitiativen.

“Memento Mori” ist auf der Totenkapelle des Otto Wagner Spitals am Steinhof zu lesen. Ein stimmungsvoller Aufbahrungsraum mit einem Kolo Moser zugeschriebenen Altar und hervorragendem Mosaikfussboden bildet das Zentrum dieses zur Verabschiedung von den Angehörigen der Patienten dienenden Baus. Das interessante, von Otto Wagner für das Spital am Steinhof mit großer Sorgfalt geplante Gebäude wäre bei der jetzigen Neuplanung fast “vergessen” worden. Es wurde dem sog “Wirtschaftsareal” zugeschlagen, die Idee diesen geschichtsträchtigen Ort (die Hirnpräparate der Spiegelgrundkinder wurden hier bis vor kurzem aufbewahrt) als Kindergarten zu nutzen, wurde nach heftigen allgemeinen Protesten der Bevölkerung verworfen. Das Schicksal der Kapelle, sie ist mit ihrer Zentralachse in Richtung Steinhofkirche ausgerichtet, ist noch immer ungewiss. Durch den überdimensionalen VAMED Bau daneben ist die Kapelle von allen Leitungen abgeschnitten worden, man kann nur hoffen, dass sie den nächsten Winter gut übersteht.

Möglicherweise sollte man den Bau der nun nach betriebswirtschaftlichen Kriterien agierenden “Friedhöfe Wien GmbH” unterstellen, die sich auch für Aufbahrungshallen und Gedenkstätten zuständig zeigt.

JK