Umweltpolitik durch aktive Raumordnung – Vortrag und Diskussion mit Univ.Prof.Dipl.Ing Dr.Hermann Knoflacher im Rahmen des Vortragsprogramms des Österreichischen Naturschutzbundes

Prof. Knoflachers Sachkunde und kritischer Geist, vor allem bei Fragen der Verkehrsplanung, sind weiten Bevölkerungskreisen bekannt, die Veranstaltung stieß daher auf großes Interesse beim Publikum. Viele “hot spots” der derzeitigen Stadtplanung in Wien – Donaufeldverbauung, Stadtstraße in Hirschstätten, Wohnbauten im Otto Wagner Spital, Hochhausprojekte an sensiblen Stellen der Stadt, um nur einige Beispiele zu nennen –  werden von der betroffenen Bevölkerung als Fehlentwicklung der Planungspolitik der Stadtverwaltung empfunden.

Einige Stichworte zu dieser interessanten und lebhaften Veranstaltung:

Eine aktive Raumordnung könnte viel mehr Leute in schönerer Umgebung unterbringen, Funktionen (Wohnen, Schlafen, Arbeiten, Schulen, Krankenhäuser) müssen bei der Planung mitgedacht werden, Trennung bedeutet unnötigen Verkehr. Wäre auch für soziale Kontakte sehr wichtig. Heute steigt die Vereinsamung der Menschen, Kontakte werden durch Alltagsablauf gezielt verhindert. (von Wohnung  mit Aufzug zu Garage, dann mit Auto zur Arbeit usw). “Auto beim Haus” ist miserable Städteplanung und zerstört soziale Kontakte.

Jetzt macht (nur) das Kapital die Raumordnung, “Investoren sind die Räuber der heutigen Zeit”, die Defizite der Staaten sind die Gewinne der Investoren”. Ökologie (langfristig) und Ökonomie (kurzfristig) müssten immer zusammen betrachtet werden.

Die Wiener Bauordnung müsste völlig neu überdacht und geändert werden, die aus der Reichsgaragenordnung stammende Stellplatzverpflichtung sollte fallen.

Flächenwidmungs- und Bebauungspläne sollten nicht mit Maßstab 1:5.000 erstellt werden, das sei fern der Wirklichkeit. Baulandwidmungen bedeuteten in der Folge immer eine enorme Belastung für die öffentliche Hand durch die danach notwendigen Erschließungen.

Frühere politische Entscheidungsträger hätten sich noch überlegt, ob das, was sie beschlossen haben, auch “gut für die Leute” wäre, heute denken sie nur mehr daran, ob sie damit bei der nächsten Wahl punkten könnten. Die sog “Bedarfserhebungen” wären meist “ein Schmäh”. Gespräche mit der betroffenen Bevökerung werden durch sog “runde Tische” im Fernsehen ersetzt.

Die Stadtentwicklungspläne hätten ohnehin keine Verbindlichkeit, keine “Gesetzesfunktion”.

Eine lebhafte Diskussion rundete die spannende Veranstaltung ab. Immer wieder fiel einem dabei das legendäre Buch des Stadtplaners Reinhard Seiß: “Wer baut Wien” ein, es erschien kürzlich in der 4.Auflage.

JK