Steinhof – Experten veröffentlichen Bebauungsempfehlungen für den Osten des Otto Wagner Spitals

Mit einem Monat Verspätung (geplant war der 3.Oktober 2013 gewesen) stellten heute drei der von Vizebürgermeisterin Vassilakou ernannten Experten (Krischanitz, Luchsinger, Steiner) die unter ihrer Leitung von sechs von ihnen selbst ausgewählten Architektenteams erarbeiteten Bebauungsvorschläge für den Osten des Otto Wagner Spitals in einer Pressekonferenz vor.

Sowohl Termin als auch Ort der Pressekonferenz (Cafe´im Schottenhof) waren wieder – so wie auch schon im August 2013 - der Bürgerinitiative nicht offiziell bekannt gegeben worden, sickerten aber dennoch durch. Überraschungen gab es wenige, gebaut soll in jedem Fall werden. Elf Baufelder waren bereits im Vorfeld definiert worden, die etwa 160 bis 200 Wohneinheiten ermöglichen sollen. Weitere 100 könnten in den denkmalgeschützten Gebäuden entstehen. Die bereits im April 2013 der Stadtregierung empfohlenen “neun Punkte” (Ostteil muss im funktionellen und räumlichen Zusammenhang mit dem Gesamtareal betrachtet werden, das Areal soll in öffentlicher Hand bleiben, Entwicklung von Nachnutzungsszenarien nach der Spitalsabsiedlung usw) wurden neuerlich betont. Nach wie vor fehle jedoch ein Nachnutzungskonzept für das Gesamtareal, dieses wäre auch nicht Aufgabe der Experten gewesen. Bis auf die Mitbenützung der VAMED Garage durch die zu erwartenden Bewohner scheint es auch nach wie vor kein Verkehrskonzept zu geben.

Die drei Experten betonten, dass es sich bei dem von den Architekten erarbeiteten Vorschlag lediglich um eine Empfehlung an die Stadt handle. Man habe sich bemüht, in einem teamorientierten Verfahren ein städtebaulich-architektonisch verträgliches, zukunftsweisendes Ergebnis zu erarbeiten. Otto Wagners Konzept sei berücksichtigt worden, die vorgeschlagene “punktuelle Bebauung” in Ziegelbauweise wäre auch - nach Meinung Luchsingers –  für ICOMOS und eine eventuelle Anerkennung der Anlage als Weltkulturerbe durch die UNESCO “kein Problem”.

Gegenüber der seinerzeitigen Planung von 62.300m² Bruttogeschoßfläche würde die jetzige Planung von etwa 20.000m² BGF eine wesentliche Reduktion bedeuten, die Grünstrefen und die Achse Pathologie/Steinhofkirche blieben unverbaut. Die denkmalgeschützten Bestandsgebäude Pathologie und Fleischerei blieben erhalten. Baumfällungen werde es jedenfalls geben müssen, diese wären aber angesichts des enormen Bestandes “marginal”.

In der lebhaften Diskussion wurde von den Anwesenden vor allem das noch immer fehlende Nachnutzungskonzept für die Gesamtanlage beklagt – eine vorgezogene Wohnverbauung würde einem solchen erst zu erarbeitenden Konzept entgegen stehen. Auch das fehlende Verkehrskonzept in dieser grünen verkehrsberuhigten Wohngegend war heftiger Diskussionspunkt. Dass man das riesige VAMED Gebäude mit neuen Bauten “verstecken” will, “da es so häßlich sei”, wurde vom Publikum als schlechter Witz gewertet. In der Frage der Kosten dieses sog “Entwicklungsverfahrens” meinte Luchsinger, dass die minimale Entschädigung für die aufwändige Arbeit der Architekten – verglichen mit der Schweiz – geradezu beschämend sei. Andererseits würden sich die Architekten in der Folge Aufträge bei der Umsetzung der Planungen erwarten.

Der heute von den Experten präsentierte Vorschlag der Architekten wird nun der Stadtregierung übergeben, die Entscheidung, was nun wirklich in diesem sensiblen denkmalgeschützten Areal geschieht, trifft auschließlich die Politik.

JK