“Lösung für Otto-Wagner-Areal steht” – so berichtet jedenfalls die Rathausinformation wien.at am 19.November 2013

Die Verbauungsabsichten dieser berühmten und denkmalgechützten Spitalsanlage seitens der Stadt Wien rief in den letzten Monaten großes Interesse in der Öffentlichkeit hervor, diese APA Meldung aus dem Wiener Rathaus war daher mit entsprechender Medienresonanz verbunden. Titel wie “Steinhof: Stadt folgt Experten” oder “Pläne für Steinhof sind fix” waren umgehend in fast allen Tageszeitungen zu lesen.  “Wir brauchen Platz für Kinder” berichtete interessanterweise die “Krone” (20.November 2013) und zitierte dabei BM Häupl, der den Mangel an Rehabilitations- und Betreuungsplätzen für Kinder beklagte – und damit seltsamerweise die Wohnverbauung des Areals verteidigte.

Der aufmerksame Beobachter (die aufmerksame Beobachterin) fragt sich daher, ob die Verantwortlichen im Rathaus die klaren und wichtigen Empfehlungen des von Frau VB Vassilakou bestimmten Expertengremiums vom April 2013 überhaupt je gelesen haben.

Empfehlungen der Experten vom April 2013 an die Stadtverwaltung zu etwaigen Verbauungsabsichten des Ostteils der Otto Wagner Spitalsanlage:

1. Der Ostteil muss im funktionalen und räumlichen Zusammenhang mit dem Gesamtareal betrachtet werden (ein auch von der BI gefordertes Gesamtkonzept gibt es bis jetzt nicht)

2. Das Gesamtareal des OWS soll im Eigentum der öffentlichen Hand bleiben und kann mit zeitlich begrenzten Nutzungsrechten (zB im Baurecht) auf Basis genauer Gestaltungsrichtlinien vergeben werden (die Errichtung von Genossenschaftswohnungen steht dieser Empfehlung entgegen, Teile des Areals sind übrigens bereits verkauft worden oder im Gemeinderat 2008 mit Vorkaufsrechten bedacht worden – ob das rückgängig gemacht werden soll, ist nicht klar)

3. Für das Gesamtareal sollen in Abhängigkeit der Absiedlungspläne Nachnutzungsszenarien entwickelt und kontinuierlich umgesetzt werden (von Nachnutzungsszenarien – außer den von der Spitalsbelegschaft und der BI im Rahmen des Mediationsverfahrens entwickelten – ist bisher nichts bekannt)

4. Eine ehestmöglich zu gründende Trägerbetriebsgesellschaft soll das ganze Areal verwalten (davon ist nichts bekannt)

5. Im Hauptteil und im westlichen Sanatoriumsbereich dürfen in den Freiflächen und zwischen den Pavillons keine Neubauten errichtet werden (dazu gibt es nur Absichtserklärungen aber derzeit noch keine rechtliche Grundlage – dies würde eine Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans bedeuten)

6. Für das ganze Areal ist ein Parkpflegewerk auszuarbeiten (davon ist bisher nichts bekannt)

7. Die Grünstreifen zwischen Sanatoriumsbereich und Hauptareal bzw. Ostareal sind wesentliche räumliche Ordnungselemente der Gesamtanlage und dürfen daher nicht oberirdisch verbaut werden. Die Achse Pathologie-Kirche muss frei beleiben. (eine”unterirdische Verbauung” wurde hier bereits offen gelassen! Garagenerweiterung??)

8. Die Umnutzung aller Bestandsgebäude (Anm: auch die ehemalige Fleischerei) ist nur unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten möglich.

9. Es soll ein Testplanungsverfahren unter Teilnahme von ausgewählten, qualifizierten Architektinnen und Architekten in diskursivem Verfahren mit dem Expertengremium OWS stattfinden, um potentielle Baufelder und deren Gestaltung im Ostteil auszuloten. Architekten aus dem Expertengremium können nicht Teilnehmer am Testplanungsverfahren sein, sie werden beratend eingebunden.

Über das Ergebnis des zuletzt in “Entwicklungsplanung” umbenannten Testplanungsverfahrens wurde in diesem Forum bereits berichtet. Da die Stadt Wien und die GESIBA die Auftraggeber dieses Entwicklungsplanungsverfahrens waren, wurde auch nur eine mögliche Wohnbebauung des Ostens ausgearbeitet und Anfang November vorgestellt.  Nach wie vor gibt es kein Gesamtkonzept für die Nachnutzung dieser großartigen Jugendstilanlage, die Bürgerplattform hält daher eine vorgezogene Wohnverbauung ohne das Vorliegen eines Gesamtkonzepts zum jetzigen Zeitpunkt für falsch. Noch vor wenigen Tagen war von BM Häupl überraschenderweise zu hören gewesen, dass er der Nutzung des OWS Areals als Universitätscampus sehr positiv gegenüberstehe…….

Die “Lösung für das Otto Wagner Spital” steht daher noch lange nicht – meint daher die Plattform Steinhof.

JK