Trotz schwieriger Anmeldeprozedur und persönlich abzuholender Zählkarten enormes Interesse auch für die zweite BürgerInnenversammlung zum Thema Nachnutzung des Otto Wagner Spitalsareals am Steinhof

Zweimal füllten etwa 3oo Interessierte den Festsaal des Gymnasiums Astgasse in Penzing bis zum letzten Platz, Bezirksvorsteherin Kalchbrenner von Penzing hatte nach Vorliegen des Ergebnisses des von der Stadt Wien initiierten Entwicklungsplanungsverfahrens für das Ostareal des Spitals dazu eingeladen. Das Otto Wagner Spital liegt im 14. Wiener Gemeindebezirk, vor allem die Verkehrsbelastung einer  von der Stadtregierung weiterhin angedachten Wohnverbauung im Ostteil hätte allerdings eher Ottakring zu tragen, der Ottakringer Bezirksvorsteher war allerdings nicht dazu zu bewegen, sich an einer gemeinsamen Veranstaltung zu beteiligen. Ein Protokoll der beiden BürgerInnenversammlungen (22.Jänner 2014 und 11.Februar 2014) kann bei der Bezirksvertretung Penzing angefordert werden.

Einleitend berichtete DI Eckart Herrmann, MA 21, vom Widmungsverfahren 2006, das den Schlüssel für das weitere Geschehen am Steinhof darstellt. Zwar hatte man damals den Grünraum der “Steinhofgründe” bis in den Bereich der Kirche in der neuen Widmung als Grünraum festgelegt, was aber lediglich dem Bestand entsprach, da es bis dahin in diesem Bereich keine Verbauung gab. Gleichzeitig wurde  (in weiser Voraussicht späterer Verkaufsabsichten?) die Widmung “öffentliche Zwecke” entfernt. Im NO und im SW der OWS Anlage erhielten nun große unverbaute Grünland/Parkschutzgebiet gewidmete Areale die besondere Bebauungsbestimmung BB9, was eine Bebaubarkeit von 40% bei einer Traufenhöhe von 14m bedeutete. Hier von “einer Verringerung der Bebaubarkeit” zu sprechen, kann nur jemanden beeindrucken, der die Sachlage nicht genau kennt. Wütende Einsprüche der Bevölkerung bei der öffentlichen Auflage (etwa 2.000) blieben damals nicht aus, wurden jedoch von der Stadtverwaltung ignoriert. Von einer Absiedelung des Spitals war zu dieser Zeit offiziell noch keine Rede. Auch im Gemeinderat rief diese Widmungsänderung große Proteste der ÖVP (Mag. Gerstl) und der Grünen (DI Gretner) hervor. In den Wortprotokollen der Gemeinderatssitzungen sind diese Debatten nachzulesen, was sehr zu empfehlen ist. Ökologische Aspekte blieben bei dieser Widmungsänderung genauso unberücksichtigt wie eine strategische Umweltprüfung (SUP), zu dieser Zeit einzuhaltendes EU Recht. Beides hielt die MA 21 für unnotwendig, die Umweltanwaltschaft – so die Auskunft – wurde nie mit dem Otto Wagner Spitalsareal befasst.

Sowohl die komplette Spitalsabsiedlung (erst seit Mai 2012 ein Thema) erzürnt die Bevölkerung, wurde doch die Orthopädie erst vor einigen Jahren aufwendig renoviert, sie genießt einen hervorragenden Ruf. Auch die im Westen angesiedelten Lungenabteilungen sind bekannt und berühmt und profitieren von der “guten Luft” am Rande des Wienerwalds. Wie eine Oberärztin der Psychiatrischen Abteilung berichtete, wäre gerade dieses Areal mit der Pavillonstruktur für die im Zunehmen befindlichen psychiatrischen Erkrankungen besonders geeignet.

Tenor der beiden Veranstaltungen, für die Frau BVin Kalchbrenner sehr zu danken ist: die Stadtverwaltung möge endlich umdenken und die Steinhofanlage in ihrer architektonischen und sozialpolitischen Einmaligkeit für sozialmedizinische Zwecke erhalten und nicht durch eine unbedachte Wohnverbauung zerstören. Zuerst müsse es ein Konzept geben, erst dann ist an “rollende Bagger” zu denken!

JK