Das Baurecht: Mittel gegen Bodenspekulation? Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) zum Schwerpunkt “Das Geschäft mit der Stadt”

Am 28.Februar fand bereits die neunte Veranstaltung in dieser interessanten und hochaktuellen Vortragsreihe statt. Baurecht bedeutet, dass der Grundeigentümer (Kommunen, bzw Stiftungen) nur das Recht zur Nutzung einer Liegenschaft vergibt, aber selbst Eigentümer von Grund und Boden bleibt. Da Wertgewinne durch Verbesserung der Infrastruktur oder Widmungsänderungen  keine selbstverdienten Leistungen der jeweiligen Grundeigentümer sind, wären Kommunen daher gut beraten, die Möglichkeit des Baurechts stärker zu nutzen. Sie hätten damit ganz andere Möglichkeiten in der Stadtplanungspolitik und könnten bei der Stadtentwicklung viel gezielter eingreifen. Verkäufe von Liegenschaften brächten zwar “schnelles Geld”, der Bodenspekulation würden jedoch Tür und Tor geöffnet. Auch wenn der erste Referent das Baurecht aus deutscher Sicht beleuchtete, hat es für Österreich eine gleich wichtige Bedeutung.

Rolf Novy-Huy, Geschäftsführer der Stiftung “Trias” berichtete in seinem Impulsreferat über die Tätigkeit der Stiftung. Diese vergibt Liegenschaften im Baurecht für qualitätvolle Wohnprojekte, wobei die Stiftung Eigentum an Grund und Boden behält und nur unter strengen Auflagen Nutzungsrechte weitergibt. Somit, so der Referent, könne der Bodenspekulation (spekulatives “Zuwarten”) Einhalt geboten werden.

Der zweite Referent war Christoph Luchsinger. Er berichtete über das Testplanungsverfahren zur Verbauung des Ostareals des Otto Wagner Spitals. Auch hier hatten sich die Experten ausdrücklich gegen einen Verkauf der Liegenschaft oder von Liegenschaftsteilen dieser wertvollen und denkmalgeschützten Anlage ausgesprochen. Das Gesamtareal soll im Eigentum der Gemeinde Wien bleiben, es sollen nur Nutzungsrechte vergeben werden. Es solle kein “Verkauf des Familiensilbers” erfolgen.

Interessante und lebhafte Diskussion.

jk