Gesprächsreihe “Die Stadt der Zukunft – die Zukunft der Stadt”: Journalist Michael Kerbler sprach am 19.März 2014 in der Planungswerkstatt mir dem Philosophen und Buchautor Konrad Paul Lissmann

Der spannende Gesprächsabend in der Planungswerkstatt war bestens besucht, auch aus den Reihen der Stadtpolitik waren GR Christoph Chorherr und der Planungsdirektor Thomas Madreiter gekommen.  In unserer schnelllebigen Zeit sei gründliches Nachdenken selten geworden, deshalb freue er sich besonders auf dieses Gespräch, meinte eingangs Christoph Chorherr. Man erwarte, dass im Jahr 2050 mehr als drei Viertel der Weltbevölkerung in Metropolen leben würden. Besondere Beachtung müsse dem städtischen öffentlichen Raum in Zukunft beigemessen werden, da der Baugrund in der Stadt immer teurer werde, die Freiräume aber als Orte der Begegnung an Attraktivität in der Bedeutung zugenommen hätten. Das folgende Gespräch Michael Kerblers mit Prof. Lissmann berührte vielfältige Themen, von “was macht eine Stadt lebenswert”, Fragen der Stadtarchitektur, der Landflucht oder der generellen Frage, was heute die Menschen im Zeitalter der Videokonferenzen und der Verfügbarkeit von Kultur im Internet überhaupt noch in die Stadt treibe.

Prof. Lissmann erwies sich als begeisterter Liebhaber der Kulturstadt Wien. Städte wären “gespeicherte Erinnerung”, in europäischen Städten lasse sich lesen wie in einem Geschichtsbuch, was Städteplanern “ein Dorn im Auge” wäre. Auch die Infrastruktur sei nicht in den letzten zehn Jahren entstanden. Entscheidend sei der “Wohlfühlfaktor”, als erstes nehmen wir die Atmosphäre einer Stadt wahr. Zur Stadt gehöre insbesondere die Kultur mit städtebaulichen und architektonischen Elementen. Es gäbe auch so etwas, wie eine “Melodie der Stadt”.  Eine Stadt müsse nicht leise sein, auch die Gerüche einer Stadt wären wichtig. Eine Stadtautobahn würde nie als ästhetisch empfunden.  Zur Integrationskraft der Stadt meinte Lissmann, ein “Miteinander” wäre auf Grund der unterschiedlichen Interessen der Bürger, die schwer zu “durchmischen” wären, nicht zu erzwingen, die Menschen müssten aber lernen, miteinander auszukommen. Planungsaufgaben dürften nie “reine Verwaltungssache der Behörden” sein, ohne “Bürgerfundament” wären sie nicht möglich.

In der nachfolgenden Diskussion wurde ua die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums beklagt, in der Tuchlauben würde mittlerweile durch private Securities der Durchgang nicht immer gestattet, was als Entwicklung alles andere als erstrebenswert wäre. Zum geplanten Hochhaus am Eislaufverein meinte Lissmann, er hätte sich in der Ausstellung die Pläne angeschaut, das Hochhaus passe, seiner persönlichen Meinung nach, dort überhaupt nicht hin, und das nicht nur wegen des “Canalettoblicks” vom Belvedere.

Das gesamte Gespräch kann auf der Wien Website nachgehört werden.

JK

In den Räumen der Planungswerkstatt kann weiterhin die Ausstellung STEP 2025 besichtigt werden, was überaus lohnend ist. Die nächsten Fachgespräche finden am 20.Mai 2014 (Dietmar Steiner) und am 12.Juni 2014 (Roland Gruber) um 19 Uhr in der Planungswerkstatt statt.