“Warum das Welterbe wichtig ist”: Gastkommentar von Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichischen Unesco-Kommission (Wiener Zeitung, 12.Juni 2014, S. 2)

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Mehr als 34% aller internationalen Reisen hätten einen kulturellen Hintergrund. Die Anerkennung als Welterbestätte, das Gütesiegel, das historisches und kulturelles Interesse oft mit landschaftlicher Schönheit verbindet, hätte auch durchaus eine bedeutende wirtschaftliche Komponente, so Frau Präsidentin Nowotny in diesem Gastkommentar.

In unmittelbarem Zusammenhang mit der Überflutung der Tempel in Nubien anlässlich des Baus des Assuan Staudamms im Süden Ägyptens und einer beispiellosen internationalen Rettungsaktion des Tempels von Abu Simbel wuchs damals das Bewusstsein, dass es kostbare Dinge auf der Welt gibt, kulturelle Errungenschaften, Baudenkmäler, Naturlandschaften, die als ideeller Besitz der gesamten Menschheit anzusehen und deshalb für künftige Generationen zu erhalten sind. Die Welterbekonvention, in Österreich seit 1993 in Kraft, bilde den Rahmen für diese gemeinsame Anstrengung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Nicht die Konvention bewirke den Schutz, sie setze ihn bereits voraus.

Angesichts des aktuell möglichen Verlusts des Welterbestatus für die Wiener Innenstadt durch ein Investorenprojekt auf dem Areal des Eislaufvereins und der beharrlichen Weigerung der Stadt Wien, das Jugendstilspital Otto Wagners am Steinhof endlich für die Welterbeanerkennung zu nominieren, sollte dieser Gastkommentar Pflichtlektüre für unsere dafür verantwortlichen Politiker sein!

JK