Stadttagung der Wiener Arbeiterkammer am 4.11.2014: WIEN WÄCHST – WIEN WOHNT

Bevölkerungsprognosen gehen davon aus, dass die Zwei-Millionen-Marke in der Bundeshauptstadt bereits 2029 überschritten werden könnte. Wohnraum wird daher in der wachsenden Stadt noch knapper werden, die große Nachfrage nach Wohnraum wird die Mieten weiter steigen lassen. Vor diesem Hintergrund versuchten Expertinnen aus dem In- und Ausland Fragen, Problemstellungen und zukünftige Herausforderungen quer über die einzelnen Disziplinen hinweg im internationalen Vergleich zu diskutieren und mögliche Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Bereits die erste Keynote Sprecherin, Susanne Heeg, Goethe-Universität, Frankfurt, wies auf die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen und die Auswirkung der Wirtschaftskrisen 2008/2010 auf den Wohnungsmarkt hin, Immobilien wurden verstärkt zu einem Finanzprodukt (“Grundbuch statt Sparbuch”) und immer mehr zu einer Spielwiese für internationale Investoren, deren Hauptziel in entsprechenden Renditen besteht. Raumplaner, Vertreter der Arbeiterkammer und der Technischen Universität thematisierten in der Folge eindrucksvoll die aktuelle Szene auf dem Wohnungsmarkt. Wien wäre im Vergleich zu anderen Großstädten noch relativ gut dran, 60% der Mietwohnungen lägen im geförderten Bereich, Ghettobildungen würden so weitgehend vermieden. Die öffentliche Hand müsse hier weiterhin stabilisierend eingreifen, für junge Familien würden Wohnungen immer unerschwinglicher. Listig würden Altmieter von Investoren geschickt aus ihren Verträgen ”rausgetrickst”. Wohnungszusammenlegungen in Gründerzeit-Häusern verminderten weiters die Anzahl der bisher erschwinglichen Wohnungen. Die Zahl der “Wohnungslosen” sei in den letzten zehn Jahren von 3.000 auf 10.000 gestiegen, die Delogierungsprävention müsse hier stärker ausgebaut werden, forderte Markus Reiter (Neunerhaus). Andrea Breitfuss (Gebietsbetreuung) meinte, man müsse viel mehr rechtzeitig der Bevölkerung erklären, wie die Stadtentwicklung funktioniere, um den Eindruck des “Drüberfahrens” zu vermeiden. Die Veranstaltung war sehr interessant, es gab dazu ausführliche Unterlagen, ein Tagungsband wird erscheinen.

jk