Fußballklubs verkaufen ihre Werte

Als bekannt wurde, dass der königliche Fußballklub Real Madrid für den Deal mit einem arabischen Sponsor das Kreuz aus der Krone seines Klubwappens streicht, war die Aufregung in den Medien groß. Auch der älteste Fußballverein Österreichs, der First Vienna Football-Club 1894, war gezwungen, seine Werte zu verkaufen, weil er von der Stadt Wien bei der Stadionerhaltung im Stich gelassen wurde. Davon haben die Medien jedoch kaum berichtet.

Schulden in Millionenhöhe ist wohl eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die Klubs der Hauptstädte Madrid und Wien verbindet. Spanien ist freilich eine andere Fußballwelt, in der es vor allem um wesentlich mehr Geld geht als bei uns. Aber auch die Unterstützung durch die Kommunen unterscheidet sich: Real Madrid kann sich trotz hoher Schulden teure Millionenstars leisten. Die Stadtverwaltung greift den Königlichen, deren Präsident ein einflussreicher Baulöwe ist, immer wieder kräftig unter die Arme. So kaufte zum Beispiel die Stadtgemeinde dem Millionenklub Real Madrid das Trainingsgelände zu einem weitaus überhöhten Preis ab, um ihn großzügig zu fördern.

In Wien werden nur die größeren Klubs Austria und Rapid unterstützt. Die ebenfalls in Geldnöten befindliche Vienna wurde mehr oder weniger zum Verzicht auf die wertvollen Bestandrechte auf der Hohen Warte gezwungen. Dadurch wurde ein fragwürdiger Grundstücksdeal ermöglicht, der vom Rechnungshof heftig kritisiert wurde. Nun hängt die Vienna schon seit geraumer Zeit am Gängelband von Immobilienspekulanten, immer wieder tauchen neue Verbauungspläne auf.

Das ist eben der große Unterschied zwischen Madrid und Wien: Während Real eine versteckte Förderung einstreifen konnte, wurde die Vienna größtenteils um ihre Rechte an der historischen Sportstätte gebracht, noch dazu der Steuerzahler um 4 Millionen Euro. Beide Kommunen scherten sich nicht um EU-Richtlinien, doch welch ein Unterschied:

In Madrid profitierte der Traditionsklub, in Wien in erster Linie die Genossen.

Michael Jungwirth

PRO HEILIGENSTADT