“Des Glücks Geheimnis ist der Pool”: HARRY GLÜCK – Wohnbauten, (Hrsg Reinhard Seiss, müry salzmann Verlag)

Die Buchpräsentation mit nachfolgender Podiumsdiskussion im Atrium des Wienmuseums am 21.Jänner 2015 war mehrfach überbucht, ein spannender und intensiver Abend durfte erwartet werden. Zum “runden Geburtstag” des in den 1970er Jahren sehr kontroversiell beurteilten Architekten erfährt sein Lebenswerk heute eine enthusiastische Neubewertung. Allein in Wien hatte Glück 16.000 Wohnungen gebaut, “Luxus für alle” war eines seiner Schlagwörter. Wohnbaustadtrat Ludwig hob in seiner Einführung hervor, Glück hätte nie für Architekturzeitschriften gebaut, sondern stets für die Menschen, die dort leben sollten. In gewissem Sinne wären seine Bauten die Fortsetzung der Gemeindebauten des Roten Wien. VBin Vassilakou lobte den holistischen Ansatz von Glücks Wohnbauten, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte waren dabei immer gleichberechtigt. Durch den Naturbezug, die individuelle Gestaltungsmöglichkeit der Wohneinheiten und die bis heute überaus gelungenen Gemeinschaftsräume würden die Menschen gerne ihre Freizeit zu Hause verbringen.

Direktor Kos als hervorragender Moderator der folgenden Podiumsdiskussion bezeichnete Seiss berechtigt als “fulminanten Zuspitzer” und wies auf sein Buch “Wer baut Wien” hin, das nun bereits in der vierten Auflage erschienen sei. Seiss führte in der Folge aus, dass ihn bei Glücks Architektur die spannenden Widersprüche interessiert hätten. Obwohl die 90m hohen Wohntürme in Alt Erlaa in den 1970er Jahren zu enormen Irritationen geführt hätten, ließ sich bei Erhebungen 2004 bei den Bewohnern eine besonders hohe Wohnzufriedenheit feststellen, die bei später entstandenen Wohnblöcken nie mehr erreicht werden konnte. Die Bauten wiesen eine “Nachhaltigkeit” auf, bevor es diesen Begriff überhaupt gab.  Glück hätte nicht nur Alt Erlaa als sensationelle Hochhaussiedlung am Rande der Stadt geplant, sondern auch Sozialwohnungen wie den Nittelhof in Floridsdorf, das “Schwimmbad auf dem Dach” sei eines der Markenzeichen. Es seien hier echte Alternativen zur Zersiedelung mit Einfamilienhäusern erreicht worden. Die Wünsche der Nutzer wären bei seinen Bauten immer im Zentrum seiner Planungen gestanden, diese wären immer von einer unerhörten Logik geprägt gewesen. Später sei das leider verloren gegangen, Gasometer, Donaucity und Wienerberg City seien dafür eklatante Negativbeispiele. Auch das neue hochgelobte Sonnwendviertel sei viel zu dicht geplant, die Grünräume seien nur Restflächen zwischen Garagenentlüftungen, auch die Erdgeschoßzonen eine traurige Angelegenheit. Internationale Stars aus der Architekturszene für den Wohnbau einzusetzen, hätte wenig gebracht.

Das neue Buch konnte bei einem Buchstand im Wienmuseum erworben werden, die Texte sind exzellent und  das Bildmaterial ist sehr beeindruckend. (jk)