Podiumsdiskussion im Architekturzentrum Wien (AzW): Die Entwicklung der Stadt – Die Stadt der Entwickler? Architekturlegende Friedrich Kurrent: “Das Wohnhochhaus am Eislaufverein darf nicht gebaut werden!”

Dietmar Steiner, der Direktor des AzW, zeigte sich bei der Vorstellung der  Podiumsteilnehmer/innen (Christian Kühn, Christoph Luchsinger, Thomas Madreiter, Silja Tillner, Bernd Vlay, Klaus Wolfinger) über das enorme Interesse für diese Veranstaltung verblüfft. Tatsächlich war der Saal des AzW bei diesem interessanten und derzeit brennenden Thema bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Moderator der Podiumsdiskussion war Anh-Linh Ngo, Redakteur Arch+ aus Berlin, er hatte sich zur Vorbereitung dieser Veranstaltung anscheinend va zum Thema “Eislaufvereinhochhaus” in der Wiener Welterbekernzone eingelesen, was die Diskussion – wahrscheinlich zum Leidwesen einiger der Diskussionsteilnehmer aber zur Freude des Publikums – vor allem auf dieses derzeit brennende Thema lenkte.

Ein Vertreter der Immobilienwirtschaft war, so Steiner,  für die Podiumsrunde zunächst gar nicht vorgesehen gewesen, man hatte aber dann doch Klaus Wolfinger, durch seine Tätigkeit beim Wertinvest Hochhausprojekt am Heumarkt bekannt, auch hinzugezogen. Schließlich, so der Moderator, hätte die Planung des Eislaufvereinsareals diese Veranstaltung bewirkt. Die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) hatte sich gegenüber der Stadtplanung vehement gegen dieses Projekt ausgesprochen, immer wieder melden sich namhafte Architekten dagegen zu Wort. Auf die provokante Frage des Moderators an Christoph Luchsinger, ob Wien überhaupt Hochhäuser brauche, meinte dieser “nicht grundsätzlich”, nur  wenn ein Mehrwert für die Allgemeinheit gegeben sei, wären sie vertretbar. So stünde es auch im neuen Hochhauskonzept, für das er verantwortlich zeichnet. Gerade dieser “Mehrwert” wird beim Hochhaus am Eislaufverein aber von vielen Fachleuten heftig bestritten, von Wertinvest aber begreiflicherweise  immer wieder behauptet. Dass ein frühzeitiger offener Dialog in der Stadtplanung unerlässlich sei, darauf konnten sich mehrere Podiumsteilnehmer einigen. Beim Eislaufverein sei man viel zu früh in die Architektenverfahren gegangen. Planungsdirektor Madreiter ließ die Anwesenden wissen, dass es beim Eislaufareal noch keine Hochhauswidmung gäbe, nicht einmal das amtsinterne Vorprüfungsverfahren sei bisher gestartet worden, da noch zu viele Fragen offen seien. Eine Absichtserklärung gegenüber dem Investor gäbe es nicht, er wäre auf das Risiko hingewiesen worden.

Die Architekturlegende Friedrich Kurrent, Gründungsmitglied der ÖGFA vor fünfzig Jahren, meldete sich in der Diskussion zu Wort: “Dieses Wohnhochhaus darf nie gebaut werden!” Er sprach damit sicher den meisten Leuten im Publikum aus der Seele.(jk)