Stadttagung der AK Wien am 23.April 2015. Thema: WIEN WÄCHST – VERKEHR

In der spannenden AK Veranstaltungsreihe “Wien wächst” wurden dieses Mal die verkehrspolitischen Herausforderungen der wachsenden Stadt thematisiert. Eindrucksvoll behandelten die hervorragenden Referenten (Heiner Monheim, Wulf-Holger Arndt, Thomas Ritt, Andreas Käfer, Judith Wittrich, Johann Bröthaler, Gerald Grüblinger, Sylvia Leodolter, Andrea Weninger, Christian Pichler) die in den nächsten Jahren erwarteten Herausforderungen in Städten und insbesonders an die wachsende Stadt Wien und die ganze Ostregion. Pendler aus dem Burgenland und aus Niederösterreich benützen  überwiegend den PKW zu ihrer Fahrt zur Arbeit. Andererseits wären aber bereits jetzt in Stoßzeiten die Pendlerzüge übervoll und auch manche innerstädtischen öffentlichen Verkehrsmittel an ihrer Kapazitätsgrenze.

Ein generelles Umdenken und eine die Stadtgrenzen überschreitende Verkehrspolitik und Finanzierung seien dringend nötig, das öffentliche Verkehrsnetz müsse den Anforderungen viel besser angepasst werden. Viel zu viel Geld fließe in den Straßenbau, ein Umdenken bei der ganzen Siedlungspolitik sei ebenfalls dringend nötig. Eisenbahnlinien gehören reaktiviert und nicht stillgelegt, Haltestellen und Intervalle bei Bus und Bahn müssen neu überdacht und den Bedürfnissen der Benützer besser angepasst werden. Straßenbahnlinien sollten wieder verstärkt auch in der Peripherie zum Einsatz kommen (Beispiel “Badner Bahn”). Tenor fast aller Referenten war, weg vom “Autobesitz” und hin zum “Autonutzer”. Jeder PKW stehe 23 Stunden am Tag irgendwo ungenützt herum. Das Elektroauto sei auch keine Lösung dieses Problems. Fahrradmöglichkeiten sollten noch weiter verbessert werden, sodass sie auch für ältere Leute (“Dreiräder”) oder für den Transport von Einkäufen besser genutzt werden könnten. Die verkehrserregenden Einkaufszentren an der Peripherie mit den riesigen versiegelten Parkplatzflächen seien eine Pest,  und würden nur wertvollen Grünraum in der Umgebung der Städte sinnlos verschwenden. Ein Umdenken der ganzen Autoindustrie sei in Zukunft unerlässlich. Bei seiner Forderung nach einer Verkehrswende wies Prof Monheim auf die zentrale Bedeutung des Fußverkehrs im urbanen Leben hin, diese würde immer ignoriert. Das “zu Fuß gehen” würde nicht als Mobilitätsbasis sondern als eine Art “Restverkehrsart” betrachtet und seine Bedeutung (zB Einkaufen, Tragen, Rollen beim Vor- und Nachtransport) ausgeblendet. Der Aufenthalt (“das Parken”) der Fußgänger würde in den Verkehrskonzepten stark vernachlässigt. Lebhafte Diskussion. (jk)