Harry Seidler, ein “Wegbereiter der modernen Architektur” – Podiumsdiskussion zur Ausstellung in der Planungswerkstatt

Geradezu grotesk ist das zeitliche Zusammentreffen dieser Würdigung Harry Seidlers und seiner weltweit berühmten Werke mit einer eben im Gange befindlichen Umwidmung, die seinen “Fußabdruck” in Wien Kaisermühlen mit dem Markenzeichen “Hochhaus mit Segel” zur Profitmaximierung eines Investors für immer zerstören würde. In der gestrigen Podiumsdiskussion in der Planungswerkstatt (Polly Seidler, Tochter des Architekten, Architekt Prof. DI Manfred Nehrer, ein Wegbegleiter Harry Seidlers bei seiner Tätigkeit in Wien und Dr. Hannes Swoboda, ehemaliger Wiener Planungsstadtrat) fand vor allem Seidlers Bemühen, die Umgebung und die dort lebenden Menschen in seine Planungen einzubeziehen, besonderes Lob. Hannes Swoboda hatte den damals bereits weltberühmten Seidler auf Wunsch von Bürgermeister Zilk für das Wohnprojekt in Kaisermühlen engagiert. Swoboda sprach sich vehement dafür aus, mit der Gesamtanlage sensibel umzugehen, Seidler hätte sich genau an die Wiener Bauordnung gehalten, was für ihn damals auch nicht einfach war. Seidlers Konzept wird auch von der heutigen Architektenschaft überaus positiv gesehen. Sollte es tatsächlich zur Umwidmung des Areals für ein 150 Meter Hochhaus, das dort ein bekannter Investor zu bauen wünscht, kommen, wäre Seidlers Konzept zerstört. Die Diskussion war heftig, alle vermessenen Investorenwünsche sind nicht immer nur mit dem Stehsatz “Wien wächst” abzutun. (jk)