Parlamentsenquete: Die Zukunft des baukulturellen Erbes (4.November 2015)

In den Bundesratssitzungssaal des Parlaments wurde zu diesem spannenden Thema zu einer Enquete mit hochkarätigen Teilnehmern eingeladen. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Bundesrats Gottfried Kneifel sprach der ehemalige Landeskonservator von Oberösterreich und Präsident von ICOMOS Austria Wilfried Lipp zu “Situationsanalyse und Großwetterlage”, gefolgt vom ehemaligen Generalkonservator der Stadt Passau, Egon  Greipl zum Thema “Aus der Praxis des Denkmalpflegers, Realität und Optionen”. In seinem Referat ”Erhaltung des baukulturellen Erbes, internationale Vergleiche” wies der ehemalige Bundesrat Albrecht Konecny auf den Unterschied zum Vereinigten Königreich hin, wo ganze “Armeen von Mitgliedern” aus der Bevölkerung sich des Denkmalschutzes annehmen und dafür Verantwortung übernehmen. Dieses Bewusstsein fehle hierzulande weitgehend. Das Bundesdenkmalamt solle sich seiner Aufgabe zur Beurteilung von Denkmälern widmen, finanzielle Agenden sollten davon getrennt werden, die Mittel, die dem BDA zur Verfügung stünden seien ohnehin lächerlich. Burghauptmann Reinhold Sahl wies eindrucksvoll auf die schwierigen und komplizierten Rechtsvorschriften hin, die in der Praxis unerhört erschwerend wären. Johannes Kyrle forderte, dass es möglich sein sollte, Erhaltungsausgaben für Denkmalobjekte als Betriebsausgaben geltend zu machen. In seiner Zusammenfassung betonte Georg Spiegelfeld-Schneeburg wie wichtig der politische Rückhalt und die Solidarität der Gesellschaft zur Erhaltung historischer Bausubstanz sei. Vor Errichtung von Neubauten sollte die Politik immer prüfen, ob nicht geeignete historische Gebäude vorhanden wären, die den Zweck genau so erfüllen könnten und ressourcenschonend Verwendung finden könnten. Es sei an der Politik, hier bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Denkmäler seien identitätsstiftend, 2018 sei vom Europarat zum Europäischen Jahr des Kulturellen Erbes ausgerufen worden, es sei noch nicht zu spät, dass sich die Politik dessen Bedeutung bewusst werde.