Entertainment für die AnrainerInnen

Am Donnerstag, 28. Jänner 2016 fand in der Planungswerkstatt als Begleitprogramm zur Ausstellung “Stadtgewebe” die Podiumsdiskussion “Planen für die Zukunft Wiens – Die Rolle von Politik und Verwaltung in der Stadtentwicklung” mit Christoph Chorherr, Gemeinderat der Grünen, Walter Krauss, Abteilungsleiter der MA 21, Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt Wien und Cornelia Schindler von s&s Architekten statt, bei der man Gelegenheit hatte, manche der uralten Vorurteile von Planungsverantwortlichen gegenüber Bürgerinitiativen und AnrainerInnen zu hören.

Nachdem ganz früh in der Diskussion die Vermutung geäußert wurde, dass es sich bei den ZuhörerInnen vorwiegend um Fachpublikum handeln würde, ging es sehr rasch zur Sache: Von einzelnen DiskutantInnen wurde darüber geklagt, wie mühsam Partizipation sei, und dass die Beteiligung so viele Projekte verhindern oder verzögern würde, dass die AnrainerInnen doch oft nur ihre Eigeninteressen im Visier hätten, und dass Natur- und Artenschutz (namentlich wurde der Schutz von Zieseln und Kröten genannt) oft nur vorgeschobene Argumente seien. Besonders zugespitzt wurde diese Position von der Architektin Cornelia Schindler formuliert: Bürgerbeteiligung sei “Entertainment für AnrainerInnen”. Es sei so mühsam, den BürgerInnen all die nötige Basisinformation zu vermitteln, die für die Diskussion der Projekte notwendig ist. Offenbar hat sie nicht viel von den aktuellen Diskussionen und Papieren zur Bürgerbeteiligung wahrgenommen, wo die Expertise der AnrainerInnen bereits als wichtiger Bestandteil der Projektentwicklung anerkannt wird, und offenbar hat sie sich auch noch nicht viel Gedanken darüber gemacht, dass die AnrainerInnen keine Mühe scheuen, den PlanerInnen in langwierigen Gesprächen in ihrer unbezahlten Freizeit ihr umfangreiches Detailwissen zu vermitteln. Nur Christoph Chorherr nahm dazu klar eine Gegenposition ein: Partizipation sei zwar ein mühsamer Prozess für alle Beteiligten, aber er führe am Ende oft zu besseren Planungsergebnissen und zu höherer Akzeptanz in der Bevölkerung, auch wenn am Ende nicht alle Beteiligten zufrieden sein können.

Gegen Ende der Diskussion konnten sich dann doch auch VertreterInnen der vielgeschmähten Bürgerinitiativen zu Wort melden, um darauf hinzuweisen, dass fortschrittliche Planungsprozesse dadurch ausgezeichnet sind, dass

  • technische ExpertInnen (PlanerInnen), politische ExpertInnen (Mandatare und Verwaltung) und lokale ExpertInnen (AnrainerInnen, Bürgerinitiativen) in einem möglichst konstruktiven Aushandlungsprozess ein optimales Ergebnis erzielen; und dass
  • ganz unabhängig von den Motiven von Natur- und ArtenschützerInnen die geltenden Gesetze und Verträge (Ziesel, Kröten) jedenfalls respektiert werden müssen, natürlich auch von der Stadt Wien.

 

HB