Schnell weg mit den Zieseln?

Ziesel

Foto: Lukas Mroz

Verdächtige Eile bei der Bauvorbereitung auf der Zieselwiese!

Als  die Europäische Kommission aufgrund einer Anfrage der EU-Abgeordneten Monika Vana bestätigte, dass die Maßnahmen der Bauträger zur Umsiedlung der Ziesel beim Stammersdorfer Heeresspital auf Ersatzgrundstücke erfolglos waren und betonte, dass ein strenges Schutzsystem jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten verbietet, konnten die Natur- und Artenschützer der IGL Marchfeldkanal nur sehr kurz aufatmen. Doch schon bald folgten die nächsten eiligen Schritte zur Vertreibung der streng geschützten Art!

Im Februar 2016 wurde dem Bauausschuss der Floridsdorfer Bezirksvertretung  – ohne dies vorher auf die Tagesordnung zu setzen – ein Ansuchen auf Abweichungen nach § 69 und § 119a der Wiener Bauordnung für die geplante Wohnhausanlage in der Inge-Konradi-Gasse Nr. 12 (das ist die Zieselwiese) vorgelegt. Eigentlich wären die Planänderungen durchaus wünschenswert, wenn sie sich nicht auf ein Baufeld beziehen würden, das von einer sehr gefährdeten und daher streng geschützten Art besiedelt wird. So aber war die große Eile ganz unverständlich, da die Bauträger nach gängigem Rechtsverständnis ja ohnehin mit dem Bau warten müssten, bis das naturschutzrechtliche Verfahren abgeschlossen ist. Der Antrag wurde nur von der grünen Fraktion abgelehnt, aber leider mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ und ÖVP angenommen.

Kurz darauf wurde bekannt, dass die Wiener Umweltschutzabteilung die “Baufeldfreimachung” bereits im Vorjahr bewilligt hat, was bedeutet, dass der Oberboden abgetragen werden kann. Für die AnrainerInnnen, Natur- und ArtenschützerInnen bleibt völlig unverständlich, warum sich die Wiener Behörde einfach über die Erkenntnis auf Europäischer Ebene hinwegsetzt, ganz besonders auch deswegen, weil die zuständigen Personen unmittelbar nach den diesbezüglichen Meldungen in der Presse nicht mehr erreichbar waren.
Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass hier möglichst rasch vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen, und man nimmt möglicherweise einfach in Kauf, dass im Nachhinein Strafe bezahlt werden muss. Sowohl der Artenschutz als auch der Rechtsstaat dürfen aber nicht derart dreist missachtet werden.

HB