Weltkulturerbe: Fluch oder Segen? Podiumsdiskussion im Wien Museum am 7.September 2016

Diskussionsteilnehmer zu diesem heißen Thema waren, ausgezeichnet moderiert von Sibylle Hamann, Andreas Nierhaus, Kurator für Architektur im Wienmuseum, Erich Raith, Professor für Städtebau, TU Wien, Marta Schreieck, Henke Schreieck Architekten und Rudolf Zunke, UNESCO Welterbebeauftragter der Stadt Wien. Unter den zahlreich erschienenen interessierten Zuhörern waren auch viele Experten aus der Architektenszene, den Ministerien, der TU und der Bürgerbeteiligungsszene zu entdecken.

Ob die Stadt Wien mit diesem 2001 selbst beantragten Gütesiegel “UNESCO Weltkulturerbe” heute noch glücklich ist, wurde vom Podium sehr widersprüchlich beantwortet. In Dresden wäre nach Aberkennung der Touristenstrom keineswegs abgerissen, meinte der Verantwortliche der Stadt Wien, Zunke. Innsbruck hätte das Prädikat abgelehnt, brachte Architektin Marta Schreieck vor, man wollte keine übergeordnete Kontrollinstitution einführen, es wären damals bereits etliche zeitgenössische Projekte in Planung gewesen. Die Stadt brauche Investoren, man müsse eher die Bevölkerung überzeugen. Seitens des Städtebauexperten Raith war zu vernehmen, dass er das Weltkulturerbe für Wien “ganz schlecht” bewerte, hier eine Balance zu finden sei immer wie ein Drahtseilakt, es brauche eine “Baukultur des Wandels”. Der Architekturkurator des Wien Museums, Nierhaus, betonte die weltweite Bedeutung des baukulturellen Erbes und bemängelt den unsensiblen Umgang der Stadt Wien mit diesem Thema. Niemand sage, dass man nichts verändern dürfe, es ginge vorwiegend um die Maßstäblichkeit, was auch der Wiener Welterbebeauftragte Zunke bekräftigte. Dieser meinte auch, Entwicklung müsse Platz haben, die Hauptbedeutung des Welterbestatus sehe er eher bei  kleinen Städten, wie zB Krumau. Aus dem Publikum wurden nur schriftliche Fragen zugelassen, was auch der schlechten Akustik des Raums geschuldet war. Als interessierte Zuhörerin hätte man sich für dieses heiße Thema (Eislaufvereinhochhaus, Otto Wagner Spital) eine weniger einseitge Zusammensetzung des Podiums gewünscht. (JK)