Pressespaziergang im Otto Wagner Spital in Steinhof am 14.September 2016: BI “Steinhof gestalten” fordert Nutzungskonzept vor zerstörerischer Wohnverbauung

Die Gesamtanlage Steinhof steht unter Denkmalschutz. Dh: Alles aus der Entstehungszeit Stammende innerhalb der historischen Mauer ist davon umfasst, Hauptgebäude, Nebengebäude, gestaltungsrelevante Grünflächen und eben auch die Mauer mit ihren Jugendstilgittern und der bewusst gewählten Bepflanzung. Besucher, die derzeit von der Ottakringer Seite  das beliebte Erholungsareal betreten wollen, sehen sich einem riesigen klotzigen Rehabilitationszentrum gegenüber, das erst kürzlich um weitere Bettentrakte und einen die Mauer um zwei Stockwerke überragenden Verwaltungstrakt erweitert wurde. Was die Gemeinde Wien unter Ensembleschutz versteht, wird hier deutlich. Aber auch das Bundesdenkmalamt hat widerspruchslos dieser Veränderung des Denkmals zugestimmt. Das besonders historisch belastete Pathologiegebäude (Lagerung der Gehirne der Spiegelgrundkinder) soll nun als nächsten Schritt der Verbauung durch vier GESIBA Wohnbaublöcke eingekreist werden, dafür müssten zunächst etwa sechzig Bäume der Anlage gefällt werden, auch ein bedeutender Eichenbestand aus der Gründungzeit würde die geplanten Bauarbeiten kaum überstehen. Ein Nutzungskonzept für die Gesamtanlage fehlt nach wie vor.

Dass das Bundesdenkmalamt in seiner Broschüre zum “Tag des Denkmals” am 25.September 2016 diese weltberühmte Anlage Otto Wagners mit der hervorragend restaurierten Kirche nicht einmal als Ziel für interessierte Besucher anführt, mag ein Zufall sein – oder vielleicht doch Absicht? Vielleicht schämt man sich doch dafür, was hier geschieht.

Bei der Diskussion um ein “Haus der Geschichte” in der Wiener Hofburg, muss sich der interessierte Steuerzahler schon fragen, warum niemand auf die Idee kommt, einige der leerstehenden Pavillons des Otto Wagner Spitals dafür zu nutzen und damit vor dem weiteren Verfall zu retten.  Der historische Zusammenhang zu den Verbrechen des Nationalsozialismus wäre hier jedenfalls viel stärker präsent als in der Hofburg. Es kann doch nicht sein, dass das wieder nur am österreichischen Föderalismus (Gemeinde Wien vs Bund) scheitert. (JK)