Eklatante Sportplatznot in Döbling

Wieder einmal manifestiert sich die eklatante Sportplatznot in Döbling: Laut “Heute” musste die MA 10 (Wiener Kindergärten) nach Anrainerbeschwerden ein Fußball-Verbot für Hort-Kinder auf einem kleinen Hartplatz in der Gatterburggasse erlassen.
Gott sei Dank haben immer noch viele Kinder das Bedürfnis, sich zu bewegen. Für die Kleinen (und Großen) gibt es oft nichts Schöneres als ein Ballspiel. Andererseits ist auch ein gewisses Ruhebedürfnis der Anrainer verständlich. Nicht jedem Hort ist eine (für Ballspiele) geeignete Sportstätte angeschlossen. Daher sollten Hort-Kinder unter Aufsicht einen kleinen Sportplatz im Bezirk aufsuchen können. Dies ist in Döbling kaum möglich, denn es gibt keine einzige öffentlich zugängliche Sportstätte im 19. Bezirk.
Wenn man nicht bei einem der Döblinger Traditionsvereine Vienna, Fortuna 05 und NAC gemeldet ist wird es schwer, im Bezirk zu kicken. Nur enge “Käfige” in Parkanlagen, meistens asphaltiert, bieten sich als Notlösung an. In der vergleichbaren Großstadt München ist das anders. In Bayerns Hauptstadt entstanden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Bolzplätze. In Deutschland arbeiten Kommunen, DFB (Deutscher Fußballbund) und Sponsoren im Sinne der sportbegeisterten Jugend gut zusammen.
Platz wäre in unserer Vorstadt genug vorhanden. Doch in der selbsternannten Sportstadt Wien gehen die Interessen der Immobilienwirtschaft vor, speziell in Döbling. Mit Bezirksvorsteher Adolf Tiller haben die Spekulanten einen einflussreichen Fürsprecher. Auf der Hohen Warte könnte zum Beispiel auf einem brachliegenden Teil der Naturarena mit geringem finanziellen Aufwand ein Bolzplatz entstehen. Genau dort hätte nämlich Hauptpächterin IG Immobilien im Zuge der Stadionsanierung einen Trainingsplatz mit Naturrasen anlegen müssen. So steht es jedenfalls im Vertrag. Doch es geschah nichts dergleichen. Die dafür vorgesehene Fläche nahe der Stürzergasse dient offensichtlich als Grundstücksreserve der Stadt Wien.
In sportlichen Belangen war Adolf Tiller als Bezirksvorsteher ähnlich glücklos wie seinerzeit als Vienna-Präsident. Schade, dass er für den Breitensport nur wenig bis gar nichts übrig hatte. Ihm ging es als Politiker mehr darum, sich im Ruhm von Spitzensportlern sonnen zu können. Wir erinnern uns, wie er den Skiweltcup nach Döbling holen wollte oder den Ausbau der Hohen Warte zu einer multifunktionalen Sportarena groß ankündigte. Trotz allem wünschen wir Adolf Tiller für die Pension alles Gute, vor allem Gesundheit und viel Freude als Fußballtrainer seiner Enkelkinder.
Michael Jungwirth
PRO HEILIGENSTADT